Montag, 26. Oktober 2015

Tagessplitter

Auf Fratzbuch hatte ich mir vor Zeiten eine dieser Gruppen ausgeguckt, in die man dort zuhauf eintreten kann, heißt Wir bleiben katholisch. Nicht, daß ich erwartet hätte, es handele sich dabei um eine exklusive Rottung glaubensverbissener Alter-Messe-Molche, doch lag es bei dem Titel nahe, hierin eine konservative Klientel zu vermuten ... also Menschen, die ihr Leben frei und gern an den kirchlichen Vorgaben auszurichten gewillt sind und so weiter.  Nun wundere ich mich hin und wieder über die Bandbreite dessen, was meine Schwestern und Brüder im (mehr oder minder gleichen) Glauben so alles für genuin und bleibend "katholisch" halten. 
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Ein Mitglied hat heute einen Zeitungsartikel gepostet und sich seines Bistums erfreut, alldieweil "unser verstorbener Bischof Josef Homeyer" (wir wandern im Geist nach Hildesheim) "vor 25 Jahren schon Bahnbrechendes" vertreten habe. Muß ich erwähnen, daß es um die Kommunionspendung an Menschen geht, die unter Bruch des ursprünglichen Ehebandes und gegen das ausdrückliche Wort Jesu mit einem anderen Partner zusammenleben? Und daß Homeyer samt einer Diözesansynode weiland den zu respektierenden Gewissensentscheid der "Betroffenen" in den Ring geworfen hat, als wäre das Gewissen nicht etwas, dessen mögliche Verirrung die Kirche zuvor stets beklagt, dessen Bildung sie umso intensiver angemahnt und zu ihrer Aufgabe gemacht hatte? Und dann lese ich zu als Quintessenz des Gruppenmitglieds: "Es mag also noch eine Generation dauern, bis klar ist, ob man über Papst Franziskus und die heutigen Bischöfe sagt, was man über Homeyer als Visionär, der weit nach vor gedacht hat, jetzt sagen kann!" Ach & Oho!
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Homeyer, dieser "Visionär, der weit nach vor gedacht hat", erscheint mir nach der Lektüre eher als ... ich verkneife mir das hier. Offenkundig gibts auch keinerlei Grund für ein finster Grollen, wie ich aus Kommentaren zu Lobgesang und Presseschnipsel herauslesen kann ... so ein lieber Bischof, "warmherzig", "menschlich großartig", "bescheiden", "sehr beliebt" ... und wenn ich schon - de mortuis nil nisi bene - über Homeyer schlecht nichts schreiben will, so doch wenigstens, daß mir der fette Schmalz seiner fans nicht schmeckt. Nicht die Bohne interessieren mich irgendwelche diffusen bischöflichen Sympathiewerte, die ohnehin von jedem mehr oder minder oder auch ganz anders empfunden werden. Was aber nutzt und frommt der ganze Schmus, wenn der also Beschmuste die Lehre der Kirche verwässert hat, statt sie seiner (unserer) Zeit verständlich zu machen?
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Das ist jetzt sicher kein optimum ... aber ein im Lehr- und Wächteramt sattelfester kleiner Kotzbrocken ist mir als Bischof weitaus lieber als ein visionärer Sympathiesepp mit Mitra ... so von wegen katholisch bleiben.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Grandios! Und erfrischend erfreulich, bei all dem sauertöpfischen Herumlamentieren und Paragraphenprüfen, das ob der (infulierten) Synodensepperl da mal wieder in den unsrigen Kreisen angesagt ist ...

Carina hat gesagt…

Auch wenn es gar nicht so lustig ist, musste ich gerade etwas schmunzeln - Bei einem Austausch mit Unigenita kam nämlich erst neulich die Frage auf "Was ist eigentlich katholisch" - Denn vieles wird doch sehr oft sehr schnell als "katholisch" bezeichnet oder es werden 'Bräuche' eingeführt, wo man sich eigentlich fragen muss: Ist das wirklich das, was Katholizismus ausmacht?
Stellt sich also auch durchaus die Frage: War die Gruppe "wir bleiben katholisch" jemals katholisch? ;)

Andreas hat gesagt…

Zur Synode halte ich mich zumindest derzeit zurück. Was für Tote gilt, mag auch für Totgeburten gelten.

Was nun die Gruppe betrifft - darüber will ich den Stab nicht brechen wollen, denn es gibt dort viele, die, sofern ich mir überhaupt ein Urteil erlauben darf, herzhaft aus ihrem Glauben das Leben zu gestalten versuchen. In der Tat müssen wir aber alle auf der Hut sein, uns unseren "Katholizismus" Marke Eigenbau zu basteln.