Dienstag, 27. Oktober 2015

Solschenizyn an Pimen und an ...

Die Worte ließen einst aufhorchen! Als "Fasten-" oder "Passionsbrief" sind jene von Glauben und Zeugnis durchtränkten Zeilen in die Geschichte der russischen Orthodoxie eingegangen, welche der sowjetische Schriftsteller Alexander Solschenizyn 1972 an den Moskauer Patriarchen Pimen richtete - eine Anklage des hohen Klerus seiner Heimat, erhoben ob des innigen Zusammenwirkens mit der atheistischen Staatsführung. 
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Blendet man den konkreten geschichtlichen Kontext jener Tage und den usprünglichen Adressaten aus, so lassen sich Solschenizyns Worte auch auf unsere Zeit hin lesen, etwa als Mahnung an diverse Bischöfe und deren Schnullipastoral aktuellen Zuschnitts ... diesem Gedanken konnte ich gestern jedenfalls nicht widerstehen, als ich folgenden Abschnitt las:
... Wir sind dabei, die letzten Merkmale eines christlichen Volkes zu verlieren. Sollte das nicht die Hauptsorge des russischen Patriarchen sein? Die russische Kirche äußert empört ihre Meinung zu jedem beliebigen Unrecht im fernen Asien oder Afrika, nie jedoch protestiert sie gegen die unglücklichen Verhältnisse im eigenen Land. Warum diese friedvollen Sendschreiben von kirchlichen Höhen herab? Warum sind alle kirchlichen Dokumente so sanftmütig, als wären sie an das allerchristlichste Volk der Erde gerichtet? Eine unbekümmerte Botschaft folgt der anderen. Wird es sich eines düsteren Tages nicht erübrigen, solche Botschaften zu verfassen, weil es außer der Kanzlei des Patriarchen überhaupt keine Adressaten und keine Herde mehr gibt? ...
Auszug aus Solschenizyns Brief zitiert nach: Chrysostomus Dahm OSB: Millionen in Rußland glauben an Gott. Jestetten (2) 1973. S. 211.

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