Donnerstag, 1. Oktober 2015

Die Taufe eines neuen Kontinents

 der hl. Remigius tauft Chlodwig - Altarbild, Kirche St. Remigius zu Heuweiler 
Der grimme Chlodwig, der aus Anlass seiner Taufe bei Bischof Remigius von Reims das Knie beugte, war ein Machtmensch. Es könnte mindestens ebenso soviel taktisches Kalkül in diesem Akt gelegen haben, wie er sich andererseits dem Gelöbnis verdanken mag, Christ zu werden, ginge er siegreich aus der Schlacht von Zülpich (496) hervor. Den Anteil, den Chlodwigs Gattin Chrodegild, eine burgundische Königstochter und eifrige Christin, an dieser Taufe aufnahm, darf aber nicht minder unterschlagen werden. Welche Faktoren auch immer ineinander gegriffen haben - die Taufe machte den König nicht frömmer; er blieb ein brutaler Haudegen, dem jedes Mittel recht war, seine Macht zu sichern.
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Die Taufe selbst aber - an einem Weihnachtstag kurz vor dem Jahr 500 herum vollzogen - markiert einen wichtigen Punkt in der Geschichte Europas: Sie gewann das heraufziehende Reich der Franken dem Christentum und dem katholischen Glauben - und besiegelte Abstieg und Verschwinden der arianischen Irrlehre, die in Germanien Wurzel geschlagen hatte. Chlodwigs Taufe festigte das christliche Fundament Europas auf dem Felsen Petri.
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Die Gnade nimmt zuweilen seltsame Wege: Ein wüster König wird Christ, ohne sich innerlich davon übermäßig bewegen zu lassen, ein Kontinent aber findet seinen Glauben und wird aus diesem heraus künftig bewegt und geprägt: Ich wage zu behaupten, daß sich im Bekenntnis Chlodwigs zu Christus jenes Europa, wie wir es heute (noch) kennen, zum ersten Mal ausgesprochen und sich seiner selbst zu vergewissern begonnen hat. Daß es - bei allen Höhenflügen und aller Abstürze seiner vielgestaltigen Vergangenheit zum Trotz - dieses Momentes, des Urgrunds seines Selbstverständnisses nicht endgültig vergesse, dazu helfe der heilige Bischof Remigius, dessen die Ekklesia heute gedenkt: ora pro nobis!
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Der hl. Remigius salbt König Chlodwig bei dessen Taufe - Hochaltarbild der Pfarrkirche St. Remigius zu Heuweiler im Breisgau.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Des Baronius Annalen lassen einen geradezu frohgemut werden, im Scheine dieser neuen Dunkelheit: At nequicquam timeas, sed potius velim exultes ad istiusmodi serium divinae sapientiae Ludum. (p. 593, xv)

Andreas hat gesagt…

Nachdem das bellum allemanicum konfektioniert war, wohlgemerkt ...

Tarquinius hat gesagt…

Glücklich konfektioniert, wohlgemerkt. Vielleicht wäre ja eine erneute Befriedung dieses aufmüpfigen Völkchens das Mittel der Wahl zur Rettung des Abendlandes ...