Donnerstag, 15. Oktober 2015

Aus der Parallelwelt zur Heiligkeit

 Teresa von Ávila - Darstellung von Matthias Faller, Klostermuseum St. Märgen 
Eigentlich wollte ich auf den Abend heute noch etwas Erbauliches über die hl. Teresa von Ávila schreiben. Nun ist es mit dem "Erbaulichen" stets so eine Sache; gewiss sind Heilige, die bereits in der Wiege Halleluja lallten, in einem gewissen - und weiland herzhaft strapazierten - Sinn dieses Begriffs "erbaulich". Nur hilft das wenig denen, die in entsprechender Altersklasse eher als Hosenscheißerle und Schreihälse erinnert werden. .
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Auch der kleinen heiligen Teresa wird ein stark ins Fromme weisender Zug zugeschrieben; sie selbst berichtet davon, verschweigt aber nicht, daß ihr selbiges in der Pubertät eher etwas abhanden kam, um sich hernach freilich der Heiligen erneut zu bemächtigen - worauf diese an die Pforte des Karmelitinnenkloster klopft und eintritt; keineswegs zur Freude ihres Vaters. Und was passiert alsdann im frommen Gemäuer? Aus der anfänglich sehr eifrigen Ordensfrau wird nach einer Weile eine Durchschnittsnonne, die jeden belanglosen Mist mitmacht, den ihre Co-Nonnen damals so mitgemacht haben: Hier ein Schwätzchen, da ein Schwätzchen, ein bisschen Beten, ein bisschen Bummeln und so weiter.
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Wir sehen die Heilige in all jene Banalitäten verstrickt, in denen auch wir uns immer wieder verhakeln. Keine, Gott bewahre! bösen und niederträchtigen Sünden ... aber auch Teresa lebte, ehe sie in Kraft und Gnade dieselbe hinter sich lassen konnte, in ihrer kleinen Parallelwelt neben dem Reich Gottes. So wie wir wohl überwiegend auch - und selbst wenn uns Gott nicht in die Radikalität der Nachfolge der großen Heiligen von Ávila ruft, so mag ihre Fürsprache an ihrem Festtag heute uns doch helfen, "unsere" Welt immer wieder zu überwinden: ora pro nobis!
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Bild: Die heilige Teresa von Ávila - Statuette von Matthias Faller im Heimatmuseum zu St. Märgen; in der benachbarten Klosterkirche befindet sich aus Sicherheitsgründen zwischenzeitlich eine Kopie.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Zuweilen denk' ich mir, dass anstelle allen Ädifizierens zunächst mal etwas Abbauung Not täte. Und das tatest Du damit, drum ist der Text am Ende um so ... erbaulicher!

viasvitae hat gesagt…

Das ist doch sehr erbaulich! Sogar alltagstauglich erbaulich :)

viasvitae hat gesagt…

Schau Dir mal Deine beiden Fans an :D

Tarquinius hat gesagt…

Beiden Fans? Liebe Theresia, wenn ich richtig gezählt habe, müssten es mindestens der Dreien sein ... *duck...*

Andreas hat gesagt…

Hmm, ich weiß zwar nicht, was ich von "Fans" halten soll, aber sollte sich eine/einer von euch zum heiligen Stand der Ehe entschließen wollen, hätte ich da womöglich eine Vorstellung, wer ...

viasvitae hat gesagt…

Ich bin raus! :D Erklärungen bitte :) Also ich habe 'beiden' geschrieben, weil ich mich konkret auf diesen Beitrag bezogen habe, unter den wir beide wohlwollend sinngemäß das Gleiche geschrieben haben ;) Insgesamt kann ich die Zahl der Akolythen dieses Blogs nicht ermessen, weil es ja immer viele stille Mitleser gibt :)

Andreas hat gesagt…

Auch das wie in der Ehe: Unklare Ansagen befördern Mißverständnisse ... *wegduck*

Tarquinius hat gesagt…

Ja, schön und gut, aber wer sollte nun nach Deinem Dafürhalten dringlichst unter die Haube gebracht werden ... und warum ?!?

Andreas hat gesagt…

Von "dringlichst" habe ich nicht gesprochen, sondern Gemeinsamkeiten aufgezeigt ... für den Fall der Fälle oder so. :-)

Tarquinius hat gesagt…

Achso, die noch nachzureichende Erklärung: Ich wollte den werten Andreas nur ein wenig triezen, indem ich behauptete, dass irgendwo da draußen wohl noch ein Fan/Mitleser/Adept existieren könnte. Bekanntermaßen gilt ja: Tres faciunt collegium. (Andererseits sind wir hier ja schon zu dritt - ist man eigentlich auch ein Mitleser, wenn man seine eigenen Beiträge liest? *grübel*)

Zum anderen Thema: Wer sagt denn, dass wir nicht schon verheiratet sind? *sicherheitshalberdavonlauf*

viasvitae hat gesagt…

Der Hl. Augustinus würde jedenfalls mit Sicherheit ein schönes Abbild der Trinität darin erkennen :)
Und zum anderen Thema: Wieso habe ich nachgefragt? :D
Und schließlich: Was haben wir aus diesem schönen geistlichen Beitrag gemacht? ;)

Carina hat gesagt…

Wenn man die Kommentare mal außen vor lässt... Schöner Beitrag, mit Gedanken die im Alltag fiel zu selten sind. :-)

Andreas hat gesagt…

Danke, Carina! Ich glaube, ich habe soeben - niemals nicht aus Neugier, sondern lauterster Wissbegier - einen schönen neuen blog entdeckt ... ;-)