Montag, 14. September 2015

Licht und Leben im Kreuz

Zoë - Phos: Licht und Leben
... Das Mysterium selbst ist ja zusammengesetzt aus Dunkel und Licht. Das heilige Meßopfer ist voll von Passionsdunkel und Auferstehungsglanz zugleich. Mitten in der heiligen Nacht wird Christus geboren, das Licht des Pneumas; mitten in der Nacht steht er von dem Totenreiche, dem ewigen Dunkel, auf: "O wahrhaft selige Nacht! Die Nacht ist mein Licht zu meiner Wonne!" (Exsultet).
In der Nacht der Sinne und der Welt empfängt die heilige Kirche und die kirchliche Seele als Braut den Lichtlogos. In der Nacht des Kreuzes wird der Grund zum Leuchtturm der Ewigkeit gelegt. Das ganze Leben der Kirche in diesem Aion ist eine solche Dämmerung, die das Licht erwartet und vorbereitet, jenes Licht, das ewig Mysterium bleibt.
Odo Casel OSB
So wandert die Ekklesia im Wechsel von Dunkel und Licht dem Herrn, dem ewigen Lichte, dem ewigen Morgen entgegen. All ihr Licht erwartet sie von Christus. Deshalb wendet sie sich ab vom Scheinlicht dieser Welt. Sie will auch nicht selber Licht sein, sondern Gefäß für das wahre Licht. So ist sie wahrhaft die Braut des Lichtbräutigams, des Mannes im höchsten Sinne. Denn das Weib - Zoë, Leben - erwartet den Logos des Lichtes vom Manne, dem Phos, dem Lichte; beide finden sich im Kreuze. (Die alten Christen gaben dieser Idee dadurch Ausdruck, daß sie Phos - Zoë in Kreuzesform schrieben). Der rein irdische Mann stellt das Licht des Verstandes dar, der bloßen äußeren Weltbetrachtung; das irdische Weib ist ein Bild der Nacht, die den Menschen täuscht und bedrückt. Aber das pneumatische Weib stellt die Ekklesia dar, die durch ihre Opferhingabe bereit wird für das ganz andere Licht Gottes; der pneumatische Mann ist Christus, der durch die Nacht des Kreuzestodes hindurch der Ekklesia vorausgegangen ist zum Lichte des Vaters. (...)
So geht sie voller Zuversicht, nach allen Seiten gedeckt durch Kreuzesliebe und Gebet, den Weg durch das Dunkel - der Dämmerung und damit dem Lichte entgegen. Ja in dieser Hoffnung jubelt sie schon ob der bereits geschehenen Erlösung. Sie sieht von weitem den Advent des Kyrios, die Parusie des Heilandes und Königs. Dann, wenn er erscheint, wird der Berg Sion ein einziger Jubel sein ...
Auszug aus: Odo Casel OSB: Kreuz und Parusie. Ansprache am letzten Herrentag im Kirchenjahr 1934. Aus: Odo Casel OSB: Mysterium des Kreuzes. Paderborn o.J. S. 269 ff. - Im Bild die Türflügel des Tabernakels der Pfarrkirche St. Wendelin zu Yach bei Elzach.

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