Donnerstag, 24. September 2015

Kurz mal was zum Kardinal verbloggt

Heute Abend muß ich einmal etwas machen, wozu ich sonst in der Regel weniger geneigt bin: Kardinal Marx verteidigen! Der hat sich gerade in einer Pressekonferenz vordergründig wenig schmeichelhaft über "katholisches" bloggen geäußert, nachdem ihn ein Medienvertreter auf katholisches.info und anverwandt unter fundamentalistischem Ruch und Verdacht Stehendes kritisch angesprochen hatte. Einige Mitblogger haben bereits leicht irritiert Witterung genommen, sintemal Marx konstatierte, "Verbloggung" könne auch zu "Verblödung" führen. Freilich gibt der Kardinal zu, von den inkriminierten Internetaktivitäten kaum Ahnung zu haben. Katholische Netzaktivisten mögen das bedauern, denn mithin hat Kardinal Marx auch von ihnen keinen blassen Schimmer - die Aussage ist aber zugleich der Schlüssel zu den weiteren Ausführungen.
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Meines Ermessens redet Marx - irgendwie muß er ja Stellung beziehen - mangels näherer Kenntnis dessen, wonach gefragt wurde, alsdann recht allgemein von einigen bekannten Phänomenen im Netz, die eigentlich jeder vernünftige Mensch beklagen wird: Die Verbreitung schräger Verschwörungstheorien samt obskurer Nachrichten aus obskuren Quellen ... oder den oft zu beobachtenden fundamentalen Verzicht auf alles, was auch nur ansatzweise mit "Netiquette" zu tun haben könnte - bis hin zu ausdauernder Trollerei allerorten. Letztlich rettet sich der Kardinal aus unbekanntem auf offenbar vertrauteres Gelände, indem er mehr über Fratzbuch oder über hanebüchene Leserkommentare in den Medien räsoniert als über die recht vielgliedrige Sphäre katholischer Bloggerei.
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Das Video mit den entsprechenden Aussagen ist hier zu finden.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Interessante Initiativbewerbung für katholisch.de! *duckundduweißtschonwas* ;-)

kalliopevorleserin hat gesagt…

Ich bin zwar gerade nicht milde gestimmt im Blick auf dies Interview. Es ärgert mich, daß ein hoher Würdenträger der katholischen Kirche so etwas sagt, so mißverständlich und so ahnungslos. Das Interview kam ja nicht völlig überraschend, und er hätte sich vorbereiten können.
Dennoch versuche ich mir zu Herzen zu nehmen, daß die Netiquette auch bei sehr berechtigter Kritik an seiner Eminenz zu gelten hat.

Brettenbacher hat gesagt…

"Zum Garten ging ich hinter dem Haus
Und zog einen herzhaften Rettich heraus..",
nach dem ichs vernommen.
Und rutschfestes Schuhwerk zu tragen empfiehlt sich auch, folgt man der sämigen Rede Lauf.

Andreas hat gesagt…

Das Interview, liebe Vorleserin, qwar gewiß nicht überraschend, die Frage wohl schon, und da kann man nicht auf alles vorbereitet sein.

Ich sehe das situativ: Augenblicklich ist ohnehin viel von "Hetze im Netz" die Rede (heißt: das Thema ist gesellschaftlich besonders virulent, wenngleich mit einer anderen Schwerpunktsetzung), da kommt einer dem Kardinal mit einer Frage, die an Marx völlig vorbeigeht. Irgendwas muß er angesichts der aktuellen Debatte dazu sagen - da kam halt das bei raus. Gewiß: Wäre schön gewesen, er hätte da eine Trennlinie zwischen sinnvollem Bloggen und sinnfreier Stimmungsmache gezogen - aber bei spontanen Reaktionen kann auch mal etwas nicht ganz perfekt sein: Man sollte die Sache nicht zu hoch hängen.