Dienstag, 15. September 2015

Gereinigt zum siebenten Mal


 12. Kreuzwegstation: Jesus stirbt am Kreuz - St. Nikolaus zu Schluchsee 
Für die Kirche St. Nikolaus zu Schluchsee hat der Bildhauer Helmut Lutz unter anderem einen Kreuzweg geschaffen. Unter dem Kreuz - bei der 12. Station - finden wir dort Maria, ahnen die Konturen eines großen und starken Herzens auf ihrer Brust und sehen es zugleich von sieben Schwertern durchbohrt. Auf der anderen Seite schauen wir auf eine Johannes-Gestalt; das Lamm zu deren Füßen und die weisende Geste der Hand deuten eher auf den Täufer als auf den Apostel - anverwandt ist dies dem Kreuzigungsbild des Isenheimer Altars von Matthias Grünewald: Auch dort steht der Täufer herausgehoben unter dem Kreuz, während Maria auf der anderen Seite vom Apostel Johannes gehalten wird. Den Apostel wird man sich bei Lutz im Täufer mitdenken dürfen. 
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Die Trias aus Maria und dem Täufer mit dem Gekreuzigten in der letzten Todesnot, dieses Bild der Untergangs - es weist hinaus über das bittere Geschehen von Golgatha in die Verherrlichung des Auferstandenen: In alten Apsiden der östlichen Christenheit und auf deren Ikonen begegnen wir diesem Szenario erneut in Gestalt der "großen Deësis", der großen Fürbitte Mariens und des Täufers vor dem verherrlichten Kyrios.
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"Mariens Herz", so schrieb Erzabt Maurus Wolter OSB, "schlägt, liebt, leidet in Jesu Herzen. Daher ihr tiefes Weh durch die 33 Jahre seines Erdenlebens, daher die Leidenssumme ohne Zahl, das unausdenkbare Schmerzensmaß unter dem Kreuze". Das scheint mir jene der irdischen Lebenswirklichkeit zugewandte Seite, deren andere Seite Erwählung ist und Vollendung. So wird Maria - nach all den vielen Leiden, die wir im Bild der sieben Schmerzen fassen - mit Leib und Seele zur Herrlichkeit erhoben und damit zur Verheißung Gottes, zu Wort Gottes an uns: "Die Worte des Herrn sind redliche Worte, geläutertes Silber, von Schlacken geschieden, gereinigt zum siebenten Mal" (Ps 11, 7).
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Heute gedenkt die Ekklesia der Sieben Schmerzen Unserer Lieben Frau. Sie sei uns Fürsprecherin und Helferin, nicht zuletzt in jenen Stunden, in denen wir unseren Anteil am Kreuz Christi nehmen ... auf daß auch wir einmal - wie sie und mit ihr und allen Heiligen - der lebenspendenden Herrlichkeit des Kyrios würdig werden: ora pro nobis!

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