Dienstag, 8. September 2015

Auftakt der Freude

 Der Morgenstern - Emblem in der Pfarrkirche St. Jakobus zu Eschbach im Schwarzwald 
Die Geburt Unserer Lieben Frau nimmt bei den Kirchen der Ostens einen besonders hohen Stellenwert ein. Es ist das erste Hochfest des orthodoxen Kirchenjahrs, welches am 1. September beginnt. So schreibt der hl. Andreas von Kreta in seiner Lobrede auf die Geburt Mariens:
Der Beginn unserer Feste ist die gegenwärtige Feier; sie ist das erste der Feste, die auf das Gesetz und die Schatten (des Alten Testamentes) zurückverweisen, und zugleich das Tor zu den Festen, welche auf die Gnade und die Wahrheit hinweisen. Für die so strahlende und glanzvolle Ankunft Gottes bei den Menschen mußte es tatsächlich auch einen Auftakt der Freude geben, der uns für das große Geschenk der Erlösung vorbereitet (PG 97, 805 ff.).
Noch unterliegt die Schöpfung dem Alten Bund, ist von dessen Gesetz getaktet und vom Erbe der Ursünde überschattet: In einen solchen Augenblick hinein wird Maria geboren, die stella matutina, der Stern eines kommenden Morgens. Oder, um in einem anverwandten Bild zu sprechen: Mancher mag bereits einen Sonnenaufgang im Gebirge bewußt wahrgenommen haben ... wie sich im Osten die verdämmernde Nacht hinter den Bergen - wir kennen ja das biblische Wort von der "Sehnsucht der ewigen Hügel" - aufhellt; die Sonne ist noch nicht zu sehen, aber wir ahnen sie ... erste Strahlen erleuchten den Horizont und entdämmern mehr und mehr den verhüllten Tag, den getrübten Blick. Die Spannung solcher Erwartung klingt auch im Beten der östlichen Christen an:
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Dies ist der Tag des Herrn;
jubelt, ihr Völker!
Denn siehe, das Brautgemach für das Licht
und das Buch für das Wort des Lebens
ist aus dem Mutterschoß hervorgegangen.
Das gegen Osten weisende Tor, 
das geboren wurde, erwartet
den Eintritt des Hohenpriesters.
Die einzige ist sie, die den einzigen
Christus eingeführt hat in die Welt
zum Heile unserer Seelen.
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(Hymnenstrophe zum Abendgebet in der orthodoxen Stundenliturgie)
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Und nochmals der heilige Andreas von Kreta:
Die ganze Schöpfung soll also Hymnen singen und einen Reigen bilden und ein diesem Tag würdiges Geschenk mitbringen. Eine gemeinsame Feier sollen heute Himmlische und Irdische begehen, und alles, was im Kosmos ist, soll sich vereinen bei dem gemeinsamen Fest.
Denn heute ist des Allerschaffers erschaffener Tempel erbaut worden, und das Geschöpf wird für den Schöpfer in neuer und angemessener Weise zum göttlichen Palast bereitet. Heute empfängt die einst zur Erde verwandelte Natur den Anfang ihrer Vergöttlichung, und zur himmlischen Herrlichkeit eilt mit mächtigen Schritten der Staub empor. (...)
Heute wird der große Mutterschoß der Jungfräulichkeit enthüllt und die Kirche wird mit der makellosen Perle wahrer Unversehrtheit wie eine Braut geschmückt.
Die Worte des hl. Andreas von Kreta und das Gebet aus der östlichen Stundenliturgie sind entnommen aus: Lothar Heiser: Maria in der Christus-Verkündigung des orthodoxen Kirchenjahres. Trier 1981. S. 80 ff. - Das Bild zeigt ein Emblem in der Pfarrkirche St. Jakobus zu Eschbach im Schwarzwald.

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