Montag, 3. August 2015

Gedanken am Teich

Vor einigen Tagen setzte ich mich auf dem Hauptfriedhof eine Weile an einen Teich, der teils mit Algen verwuchert war, und hing einigen Gedanken nach. Dabei ist dann auch das folgende Photo entstanden:
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Die Seele scheint mir in einem ähnlichen Bild auf: Wo sie klar ist und licht geworden wie reines Wasser, kann sie uns und vielleicht ja auch unseren Mitmenschen den Himmel spiegeln. Sobald sie aber verschmutzt wird und trübe, da verliert sich diese Eigenschaft in zunehmendem Maß, bis nur noch dreckige Brühe, aber kein Himmel mehr dem Betrachter ins Auge springt. "Ein herrliches Paradies", so schrieb Odo Casel, herrsche ...
... und blüht dort, wo der Mensch wahrhaft Gott abspiegelt und im Nächsten Gottes Spiegelbild schaut und so selbst ein Ebenbild Gottes ist und wird "Werdet Nachahmer Gottes als geliebte Kinder, und wandelt in der Agape!" (Eph 5, 1).).
Ein anderer Gedanke, der freilich damit zusammenhängt, kreist um die Wahrheit über uns selbst und unseren Willen, diese anzunehmen. Gewiß kann hier die Gefahr bestehen, die Würde der Gotteskindschaft aus dem Blick zu verlieren und an sich selbst zu verzweifeln, aber allermeist neigen wir eher dazu, einige kosmetische Retuschen vorzunehmen und alles so zu lassen, wie es ist: Nur nicht zu genau hinsehen ... nochmals Casel:
Der Mensch muß mit klarem, nicht sich selbst betrügendem Auge in den Gottesspiegel schauen, muß seine eigene Häßlichkeit erkennen und sie dann unbeschönigt bekennen. (Vom Spiegel als Symbol).
In einer Schrift von Romano Guardini fand ich vor Jahren zwei Strophen aus dem Gedicht Margareta von Eduard Mörike erwähnt, die sich seither immer wieder in Erinnerung rufen. Dabei geht es nicht zuletzt um die Wahrnehmung, die Annahme seiner selbst - um den Blick auf die Wasser unserer Seele:
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Könnt ich, o Seele, wie du bist,
Dich in den reinsten Spiegel fassen,
Was all dir einzig eigen ist,
Als Fremdes dir begegnen lassen!
Ja, fiele nur aus diesem Aug ein Blick,
Wie er uns traf, ins eigne Herz zurück:
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Von selgen Schauern angeweht,
Scheu nahtest du dem namenlosen Bilde,
Wie einem Rätsel, das um Lösung fleht,
Daß eins im andern sich auf ewig stillte;
Doch ach, kaum hast du halb dich selbst erkannt,
Verkennst du dich, und hast dich abgewandt!

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