Donnerstag, 20. August 2015

Die Spur der Toten

 Ettenheimmünster - Alter Friedhof der Abtei 
Auf den ersten Blick deutet heute wenig darauf hin, daß die Kirche des heiligen Landelin im Ettenbachtal einst kein Solitär gewesen, sondern im Kontext der stattlichen Abtei Ettenheimmünster gesehen werden muß.
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Nur wenige Spuren bezeugen noch das um 763 vom Straßburger Bischof Etto gegründete Kloster, welches 1803 der Säkularisation zum Opfer fiel: die Wallfahrtskirche gewiß, die darin weitestgehend original erhaltene Orgel des Meisters Johann Andreas Silbermann von 1769, die aus der Klosterkirche in das Gotteshaus des hl. Landelin gerettet wurde ... und der alte Klosterfriedhof, der heute eine neugotische Kapelle umschließt, in welcher Anton Arbogast Heisler, der letzte Abt von Ettenheimmünster, zu Grab gebettet wurde und in welche man die Gebeine all jener Mönche verbrachte, welche vormals in der Gruft der alsbald ruinierten Kirche der Abtei ihre Ruhstatt gefunden hatten.
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Ich saß eine ganze Weile auf diesem stillen Gottesacker und wollte längst darüber etwas geschrieben haben - doch der gewonnene Eindruck schien mir Tag um Tag ferner und diesem Plan verloren. Ein wenig gewann ich ihn mir nun durch Verse von Reinhold Schneider zurück ...
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Die Spur der Toten
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Der Spur der Toten bin ich nachgegangen;
So hab ich mich und meinen Pfad gefunden
Und leise Kühle auf verborgnen Wunden
Und oft der Schwermut brennendes Verlangen.
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Denn Großem nur vermocht ich anzuhangen,
Und alles Große war dahingeschwunden:
So lebt ich der Entrückung flüchtige Stunden
Und schwerer Jahre unverwindlich Bangen.
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Die Dichter führten mich verschlungne Pfade,
Und Helden winkten mir; ich stand in Träumen
Am Weg der Könige, die nicht wiederkommen;
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Dann zogen Heilige mich ins Reich der Gnade,
Und wo sie starben, in geweihten Räumen,
Hab ich das Kreuz erschaudernd angenommen.
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Reinhold Schneider: Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte. Köln und Olten 1954. S. 60.

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