Samstag, 22. August 2015

Die Schwarze Madonna von Tennenbach

 Schwarze Madonna von Tennenbach 
In der kleinen gotischen Kapelle zu Tennenbach, markantester Überrest und Erinnerungsort an das einstige Zisterzienserkoster nächst der badischen Kreisstadt Emmendingen, befindet sich ein von Feuer stark gezeichnetes Bild Unserer Lieben Frau: die sogenannte "Schwarze Madonna" von Tennenbach. Die sitzende Gottesmutter mit dem Kind auf ihrem Schoß rührt wohl von der Ausstattung des zur Mitte des 18. Jahrhunderts barock neu errichteten Klostertraktes. Nach Aufhebung der Abtei gelangte das Bild in private Hände, später in den Besitz der Emmendinger Pfarrgemeinde St. Bonifatius, die es nach Tennenbach heimkehren ließ. 1987 sollte die barocke Madonna gerade neu gefasst werden, als in der Werkstatt des beauftragten Künstlers ein Feuer ausbrach; die Flammen fraßen sich so tief in das Lindenholz, daß an eine Wiederherstellung nicht zu denken war. Nach Jahren konservierte man den verheerten Zustand und brachte die Madonna in die Kapelle zurück.
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Die Wunden der Vergangenheit finden im Bild ihren Spiegel: Nicht nur die während der Säkularisation aufgehobene Abtei, deren Mönche nach einer 650 Jahre währenden Geschichte aus dem stillen Tal vertrieben wurden ... oder die romanische Klosterkirche, aus deren Steinen und nach deren Vorbild die erste protestantische Kirche in Freiburg errichtet wurde, um im Bomben- und Feuersturm des Zweiten Weltkriegs zugrunde zu gehen ... allen Glauben und alle Hoffnung, aber auch alle Tränen und allen Zweifel, der vor dieses Marienbild getragen wurde ... all das schließt es in seinem verwundeten Herzen.
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Vielleicht können wir im versehrten Holz sogar noch etwas anderes entdecken, können dieses Holz gegen die Verwüstungen der Zeit lesen? Der hl. Bernhardin von Siena spricht in einer Predigt davon, welche die Ekklesia heute zum Fest des Unbefleckten Herzens im Stundengebet liest: Welcher Schatz, so frage der Heilige, sei "besser, als jene göttliche Liebe, durch welche das Herz der Jungfrau wie ein Feuerbrand entflammt war?" Auch davon mag uns die "Schwarze Madonna" von Tennenbach erzählen.
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Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Muss nun nicht hier veröffentlicht werden, aber handelt es sich bei der Predigt nicht um eine des hl. Bernhardins? :-)

Ansonsten vielen Dank für den tiefsinnigen Text samt Bebilderung!

Andreas hat gesagt…

Naja, ist dann halt "Pseudo-Bernhard" - die AOR-Brevierlesungen sind ohnehin zuweilen zweifelhafter Abkunft ... ;-)

Danke für den Hinweis, Korrektur ist erfolgt und der Vorsatz gefasst, künftig nicht automatisch an Clairvaux zu denken, derweil man nach den ersten vier Buchstaben des Vornamens alle anderen Wahrnehmungsrezeptoren ausschaltet.

Tarquinius hat gesagt…

Du Kleingläubiger, warum zweifelst Du? ;-) Dabei sind die AOR-Lesungen im aktuellen Brevier - mit dieser Abkürzung werde ich mich wohl nie anfreunden können, klingt nach einer Mischung aus Internetprovider, Texterkennungssoftware und Krankenkasse - ohnehin schon reichlich purifiziert, wenn man das mal mit früheren Drucken vergleicht ...