Samstag, 8. August 2015

Der bittere Eifer (der Frommen)

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Vor einigen Tagen landete das Mitteilungsblatt der Priesterbruderschaft St. Pius X. als Kostprobe in meinem Briefkasten. Unter dem Titel Wahrer und bitterer Eifer fand ich darin eine Ansprache von Erzbischof Marcel Lefebvre an die Seminaristen von Ecône aus dem Jahr 1977 dokumentiert. Die Einleitung vermerkt hierzu, das Seminar habe sich "am Vorabend einer schweren Krise" befunden, "die vor allem vom Fortgang des Lehrkörpers geprägt" gewesen sei - alles in allem, wie ich vermuten würde, ein Teil der Turbulenzen, deren sich die Piusbruderschaft ab Mitte der 1970er-Jahre ausgesetzt sah.
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Die Ausführungen über den sogenannten "bitteren Eifer" haben meines Ermessens nichts an Aktualität eingebüßt; was der Erzbischof damals seinen künftigen Priestern einzuschärfen suchte, können sich - angesichts manch aktueller Debattenfledderei, der man das Wort Diskussionskultur kaum zugestehen mag - heute nicht zuletzt auch Laien zu Herzen nehmen ... ich denke da zum Beispiel an das Bild, das manche "eifrige" Katholiken zuweilen auf blogs oder in diversen Kommentarspalten abgeben: Die lieb- und empathielose Kaltherzigkeit, die dabei an den Tag treten kann, verstört und stößt ab. Was nun sagt Lefebvre?
... Aber schauen Sie auch auf die Liebe des Herrn zu seinen Aposteln! Und glauben Sie denn wirklich, dass diese Apostel alle vollkommen waren? Manchmal hatte auch der Herr gewisse Gedanken, er sagte auch: "Wie lange muss ich euch ertragen?" ... Und, Achtung, das war der Herr! Aber der Herr war mitfühlend, er war geduldig, er war nachgiebig mit ihnen, er hat sie wieder angenommen, aber auf eine liebenswürdige Weise, geduldig, mild, aber zugleich auch fest!
Nun, anders zu handeln, immer hart zu handeln, immer zu fordern ... nochmals, ich habe es Ihnen ja schon gesagt, das ist bitterer Eifer. Das nennt man bitteren Eifer. (...) Dieser bittere Eifer ... hat seinen Ursprung nicht in der Liebe zu Gott und zum Nächsten, sondern im Hochmut. Alles, was nicht mit ihren Idealvorstellungen zusammenpasst, wird verurteilt. Alles wollen sie so haben, wie sie es sehen, wie sie handeln. Daher kommen die Spaltungen. Und dieser Eifer endet letztlich im Hass.
Und in diesem übertriebenen Eifer, immer angespannt, immer unruhig, zerquält, erregt, ist nichts jemals vollkommen genug für jene Seelen, die von diesem Feuer besessen sind. Sie wollen, dass alle Welt vollkommen sei. Aber, mein Gott, alle Welt - das sind nun einmal keine vollkommenen Menschen. Sollen sie doch zunächst einmal bei sich selbst anfangen ...Der wahre Eifer ist ganz anders als der bittere Eifer, ganz anders! Und ich meine auch, es wäre das Beste für die, welche eine Neigung dazu [zum bitteren Eifer] haben, nachzudenken und danach zu streben, in ihrem Umfeld wirklich barmherzig zu sein, um Menschen anzuziehen, Seelen anzuziehen und sie nicht abzustoßen.
Wenn sie das nicht tun, was wird ihnen dann geschehen, wenn sie ihren Dienst ausüben? Zehn oder zwölf Leute werden sie bewundern, Leute, die diesen Priester loben, und das war es dann. Ein Dutzend Leute wird um ihn herum sein, und dann ist Schluß, sein Dienst hört dann auf, denn er wird alle anderen verjagt haben ...
¶ Der Volltext kann im Rahmen der MB-Ausgabe hier heruntergeladen werden.

Kommentare:

Anni Freiburgbärin von Huflattich hat gesagt…

Potztausend! Der odinistische Paschaminister liest subversive Schriften. Da empfehle ich doch gleich dieses Büchlein.

ps Vielen Dank für Deine Anteilnahme.

Andreas hat gesagt…

Danke für den Tip! Aber keine Bange: Ich habe schon hinreichend subversive Büchlein zur Liturgiedeform gelesen ... ;-)

PS Bitte: Odonistisch, nicht odinistisch. Wir sind ja nicht bei den Heiden ...

Anni Freiburgbärin von Huflattich hat gesagt…

Immer dieses Herumreiten auf Tippfehlern. Das i liegt nun mal neben dem o, das ist immerhin besser, als läge es neben dem a. IA.

Tarquinius hat gesagt…

Anni, mach Dir nichts draus, in der *der Warmherzigkeit halber selbstzensiert* wird diesem *zensiert* schon *zensuriert* werden.

*und nix wie weg*