Sonntag, 5. Juli 2015

Wie aber weiter?

In diesen Tagen schiebe ich einige Gedanken hin und her, wie es mit diesem blog weitergehen soll. Ich blase, keine Bange, nicht den blues, wie auch schon vorgekommen - irgendwie soll es auf jeden Fall weitergehen. Aber wie? 
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Was gibt es bisher? Einerseits, das hoffe ich so sagen zu dürfen, einen deutlichen geistlichen Akzent, nicht zuletzt unterfüttert durch die traditionsreiche leiturgía der Ekklesia und einen gewissen benediktinischen Einschlag, darüber hinaus nicht zu vergessen die Marienminne. Wenn mir eine Laus über die Leber läuft, wird mitunter ein Tagessplitter draus. Bilder kommen bei all dem nicht zu kurz, ab und zu eine Reminiszenz an den katholischen Literaturbetrieb des 20. Jahrhunderts ... so weit, so (hoffentlich:) gut. Nun kann man die Frage stellen, wie weit die genannten Themenfelder in ihrer konkreten Umsetzung auf das "missionarische Potential der Blogozese" hin transparent werden können?
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Diese Bilanz befriedigt mich nicht recht. Ich fürchte zum Beispiel, daß weite Teile der geistlichen Einträge (ob nun selbst verfasst oder den Schriften einiger Lieblingsautoren entnommen) am Erfahrungs- und Interessenhorizont meiner Mitchristen heute weitest vorbeigehen; ganz zu schweigen von den "Suchenden", denen man mit fortwährenden Anklängen an Casels Mysterientheologie gewiß keinen einfachen Einstieg in den Kosmos des Glaubens bietet. Andererseits: Wovon sollte ich sonst schreiben, wenn nicht von dem, was mich spirituell bewegt, vom geistlichen Raum, in dem ich mich bewege?
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Ein zweite Frage steht im Raum - auch hier spielt die Außenwirkung eine Rolle. Soeben ist es wieder einmal auf Rosenkranz + Pilgerzeichen beklagt worden: Der rüde Umgang miteinander auf den traditions- und zeitgeistorientierten katholischen blogs ... das sich Einschießen auf außenstehende Dritte der jeweiligen Fraktionen wird man - getrost oder ungetrost - mit hinzu nehmen können. Ich gestehe: Manchmal mische ich in  - mal mehr, mal minder - zugespitzter Form mit, manchmal verkneife ich es mir. Grundsätzlich gilt freilich, daß nicht der blogger die Harmonie stört, der die neueste progressive Dollerei aufs Korn nimmt, sondern zuerst einmal derjenige, der die klare Lehre der Ekklesia verwässert, umdeutet, verdreht oder leugnet. Dennoch muß es zu denken geben, wenn die Blogozese in mancher Außenwahrnehmung als ein finster-verschlagener Haufen daherkommt: denn auch das kann das Bild der Ekklesia in den Seelen verdunkeln.
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Andererseits: Ich erwäge, künftig entsprechende Einträge womöglich noch zugespitzter zu formulieren - denn Satire hat zum Beispiel einen anderen Stellen-Wert als bloßes Gezänk und kann auch besser in das Ganze eingeordnet werden; vielleicht wäre das ja eine Lösung ... denn eines ist sicher wie das Amen in der Kirche: Dem Treiben progressiver Theologen und Priester und Bischöfe und Kardinäle mitsamt ihrer Salamitaktik zur Schleifung der Bastionen haben wir bereits zu lange, zu lammfromm und zu tatenlos zugesehen. Man kann nicht alles unwidersprochen lassen: hülf, Sankt Hieronyme!
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Soweit einige Aspekte des Ist-Zustands. Pläne für die Zukunft gäbe es genug, etwa im Blick auf einige katholische Autoren des 20. Jahrhunderts, die heute so sehr von der Bildfläche verschwunden sind, daß man ihnen nicht einmal eine Schattenexistenz zusprechen mag. Man könnte so manches zu Personen und Werken schreiben - allein: Interessiert das heute jemanden? Lohnt die Mühe nenneswerter Ertrag? Oder macht man nur ein weiteres Faß auf, aus dem kaum einer einen Schluck kosten will, es sei denn, man generiert mittels krawalliger Überschriften einige Zugriffe, um sich das Interesse der Leser vorzugaukeln?
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Soll für heute Abend reichen. Mal sehen, was mir in den kommenden Tagen noch schreibreif ankommt und wohin die Reise geht ...
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 Hier der Beitrag auf Rosenkranz + Pilgerzeichen. Ein aufmunternder Beitrag zu Gertrud von Le Fort habe ich zudem bei Heike entdeckt: hier.

Kommentare:

ankerperlenfrau hat gesagt…

Ach, Andreas, schreib Du nur unverdrossen weiter...
Die schönen Bilder aus den Kirchen zum Jahreskreis, das BamS und Deine Kommentare dazu: wenn Du das aufgeben würdest, wäre eine Lücke gerissen.
Habe ich Dich schon unerträglich "unter der Gürtellinie" operieren sehen?
Glaub nicht: oder Du hast es so gut versteckt, daß ich es nicht bemerkt habe.
Nein, nicht die differierenden Meinungen vergraulen Leute. Aber Lüge, Manipulation und Feindseligkeit. Dieses dauernd ätzende Verleumdungsgift, das aus manchen Blogs und sonstigen Publikationen trieft. Die Cliquen und "Netzwerker" - mit ihren "Sonderpäpsten"....
Und wirklich, die Lager schenken sich nichts.
Meine Kritikbereitschaft ist Langeweile und Überdruß gewichen: jetzt bin ich wirklich so weit: ich lese nicht mehr. So ein geistiges Seuchenklima, wo man sich nur gegenseitig auf die Schultern klopft und sich toll findet, geht mir unglaublich auf die Nerven. Dieses Rennen um Meinungsführerschaft, diese Schlagzeilen- und Boulevardmentalität, wo es um nichts Geringeres als die Kirche geht....
Aber gut jetzt: DU nicht!

Liebe Grüße

Eugenie Roth hat gesagt…

Es muss Schreiber geben für die Außenstehenden, die Fernstehenden, die mit beginnendem und steigendem Interesse, aber auch für diejenigen, die schon "fortgeschritten" sind. Also meinetwegen gerne so weiter!
Autoren des 20. Jahrhunderts ist ein Thema, das z. B. mich SEHR interessiert! Das wäre was für mich, mich selbst zu kümmern fehlt mir aber die Fachkenntnis.
Ansonsten gerne weiter so, jeder hat seine Interessen und seinen Stil. Nicht jeder ist für "Außenwirkung" geeignet, es braucht auch "Innenwirkung" (oder umgekehrt), jeder hat seine Aufgabe.
Vergelt's Gott und bless you!
Eugenie Roth

Tarquinius hat gesagt…

Du hast ja schon selbst eifrig reflektiert, da bleibt mir kaum noch Kommentarmaterial übrig. Leider kann ich nur für mich sprechen (und einen einzigen Zugriff pro Artikel generieren), aber ich betrachte insbesondere die Casel'schen und literarischen Beiträge auch immer wieder als persönliche Horizonterweiterung. Nun mag ich im strengsten Sinne kein Heide aus dem Urwald sein, der auf diese Weise missioniert wird ... und vermutlich gehöre ich zu der dunklen Gesellschaft, die hier sowieso mit von der Partie ist. Aber ich persönlich glaube, dass Du mit Deinem Stil - der so gar nicht den üblichen traditionalistischen Muff atmet - auch weitere Kreise erschließt ... und damit das finstere Bild der Blogozese auch jetzt schon ein Stückchen erhellst.

Andreas hat gesagt…

Ach wenn ich euch nicht hätte, was wär' mir Erd' und Bloggen ... :-)

Vielen Dank für die lieben Worte, in denen jede(r) auf seine Weise jene Aspekte aufmunternd aufgegriffen hat, die mich gerade beschäftigen!

einfachentfachend hat gesagt…

Ohne selbst Elogen auf die unvergleichliche Schönheit und Notwendigkeit des Bloggens beisteuern zu können, at the moment: Dein Blog würde mir sehr fehlen. Hier spricht gerade also eher der anspruchsvolle Konsument, also, go on!

Näheres bald anderweitig.

Lena hat gesagt…

Ich finde den Blog auch super wie er ist. Auch ohne allzu grobe Töne anzuschlagen, greifen Sie hier doch immer wieder aktuelle Themen auf und positionieren sich dazu. Vielleicht gibt es nicht so viel Diskussion, aber zur Freude der Leser gereicht es bestimmt, so viel kann ich jedenfalls von mir sagen. Autoren des 20. Jhs. ist abgesehen davon bestimmt so oder so eine gute Idee.

Andreas hat gesagt…

Auch euch beiden nochmals vielen Dank für die Rückmeldungen!

Wobei ... dem anspruchsvollen Konsum würde ich natürlich meinerseits auch - da war doch kürzlich mal was - weiterhin auf einfachentfachend frönen wollen. ;-)

Georg's Glauben hat gesagt…

Die Gedanken zur "Außenwirkung" der katholischen Blogöszese teile ich. Und erwische mich selbst dabei, die notwendige Gelassenheit und Ruhe zu verlieren, wenn mir eine Laus über die Leber läuft. Gilt ja nicht nur für Bloggen, twittern oder auf Facebook posten. Sondern genauso im realen Leben. Die Kunst besteht darin, der Wahrheit treu zu bleiben ohne die Würde anderer zu verletzen.

Andreas hat gesagt…

In der Tat nicht immer einfach, Georg - Grazie!