Mittwoch, 1. Juli 2015

Von Abel zu Christus

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... da seine Hände aufgebohrt, sein Herz die Wunde faßt,
Gibt es kein Kreuz mehr unter uns, auf das sein Leib nicht paßt.
Und keine Sünde bleibt von seiner Wunde unbetroffen.
Komm vom Altar, Verhüllter, fülle unser Hoffen!
Wie tief ist dein Geschöpf, o Meister, und wie offen!
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Mit diesen Worten - am Ende der Betrachtung der vierzehnten Station - schließt der Kreuzweg von Paul Claudel. Das Blut Christi, geopfert von Christus selbst zur Sühne für die Schuld der Menschen und hierbei von seinen eigenen Brüdern vergossen, wie einst im Typos Kain das Blut seines Bruders Abel vergossen hatte: es kann jede Sünde tilgen, unser Hoffen füllen und uns das Reich Gottes erschließen: 
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"Du hast uns erlöst, Kyrie, in Deinem Blut, und uns zu einem Königreich gemacht für unseren Gott" - der Satz zieht sich wie ein Leitmotiv durch die leiturgía des heutigen Festes vom Kostbaren Blut. In diesem Horizont umrahmt die Ekklesia dann auch das Magnificat der ersten Vesper zu diesem Fest mit der folgenden Antiphon:
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Accessistis ad Sion montem,
et civitatem Dei viventis,
Jersusalem cælestem,
et Testamenti novi mediatorem Jesum,
et Sanguinis aspersionem 
melius loquentem quam Abel.
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Hingetreten seid ihr an den Berg Sion,
zur Stadt des lebendigen Gottes,
zum himmlischen Jersualem,
zu Jesus, dem Mittler des Neuen Bundes
und zur Besprengung mit Seinem Blut,
das mächtiger redet als das Blut Abels.
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Die Übersetzung der Kreuzweg-Betrachtung stammt von Hans Urs von Balthasar; entnommen aus: Paul Claudel: Der Wanderer in der Flamme. Ausgewählte Gedichte. Einsiedeln 1953. S. 89. Bild: Kain ermordet seinen Bruder Abel - Glasfenster in der Pfarrkirche St. Gallus zu Merzhausen bei Freiburg.

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