Mittwoch, 15. Juli 2015

Front, Lager und Vernetzung

Sollte sich hierzulande tatsächlich eine schleichende Reformation (in welche Gestalt sich eine solche auch immer entwickeln mag) ereignen, dann scheint mir das Lagerdenken, dessen Zunahme mitunter beklagt wird, eine keineswegs überraschende Begleiterscheinung. Der Gedanke kam mir angesichts des Untertitels, den Joseph Lortz dem zweiten Band seiner (in den vorigen Einträgen herangezogenen) Reformations-Monographie gab: "Ausbau der Fronten. Unionsversuche". Vielleicht müßte man sich sogar eingestehen, daß in Vergangenheit und Gegenwart ein "Ausbau der Fronten", mithin die Formierung von "Lagern", nicht nur eine Begleiterscheinung waren und wieder sein mögen, sondern daß die Begriffe Front und Lager geradezu als Notwendigkeit zur Verteidigung des Glaubens auf- und einleuchten.
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Der Ausbau von Fronten, die Bildung von Lagern: die drohende Spaltung, die damit einhergeht, ist nichts, was man sich wünschen kann. Aber das eine kann notwendig werden, wie das andere unausweichlich. Die Verantwortung dafür aber liegt nicht zuerst bei den Beharrenden, sondern bei denen, welche mit ihren Neuerungen und Umdeutungen den Fingerzeig Gottes verschatten: Schrift und Überlieferungen unterhöhlen, die in der Gewähr des Pneumas lehrende Ekklesia offen oder getarnt zurückweisen und die Fundamente des Glaubens untergraben.
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Auf diesem Hintergrund verwundert es mich immer wieder, wie miserabel gerade jene Katholiken vernetzt sind, die sich in der "alten Messe" beiheimatet sehen. Gewiß - es gibt einige blogs samt deren Leser. So weit, so gut, so schön, aber auch reichlich statisch. Die Kommunikation untereinander verläuft wenig dynamisch; passende Plattformen wie Fratzbuch werden eher gemieden, die Kampagnenfähigkeit tendiert gegen Null. Wer doch noch irgendwie bei Fratzbuch gelandet ist, tritt irgendeiner vollfommen Gruppe mit einigen hundert Mitgliedern bei, um kitschige Marienbilder zu liken und sich über aufgeknutschte Meldungen auf Radio Vatikan eifrigst eifernd zu empören ...
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Man merkt, worauf ich hinaus will: Ich vermisse bei mir selbst und bei den anverwandten anderen Blogozesanen ein wenig die "revolutionären Zellen", den altrituellen think tank ...

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Ach Du, wenn man so mal ein paar alte-Messe-Beheimatete kennengelernt hat, dann ist man's schnell leid mit aller Vernetzung und will ungern - neben Schützengraben - auch noch das Lager teilen ... *duckunwech* ;-)

jos.m. betle hat gesagt…

Ja, ja. Dein letzter Satz... ist wohl wahr. Wir sind vielleicht wirklich nich mutig und radikal genug. Das ist ein Grund, an dem ich mir wünschte, ich wäre 30 oder 40 Jahre jünger.

Andreas hat gesagt…

Nun ja ... eine bessere Vernetzung würde ich nicht als Altersfrage erachten. Jeder hat so seine Einschränkungen und Obliegenheiten ganz unterschiedlicher Art, entsprechend wird sich auch weisen, was der Einzelne beizutragen in der Lage ist. Um das - und anderes - auszuloten, scheint mir aber eine bessere Vernetzung sinnvoll.

Was nun den scheltenswerten Kommentar des schätzenswerten Tarquinius betrifft: Es geht gerade nicht darum, etwa noch eine Riesenfratzbuchgruppe aufzumachen, in der (man sehe das etwas harte Wort nach) der Mob tobt, sondern die mehr Besonnenen und Kundigen in eher ausgesuchten Kreis zu einen. Darum das Wort vom think tank.

Eugenie Roth hat gesagt…

Email? Oder Rundbriefe per gelber Post?
Why not!
Es muss nicht alles elektronisch sein ... meinetwegen jedenfalls ... (darf aber gerne. Wie man sieht bin ich in der Lage, einen Kommpjuter und das internationale Netz zu nutzen ...)

Andreas hat gesagt…

Dann lege Dir eine Fratzbuch-Seite zu ... ;-)