Dienstag, 21. Juli 2015

Er sendet seinen Engel in die Flammen

 Der Prophet Daniel - Deckenbild in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist, Oberrotweil 
In den Schriften des Buches Daniel, dessen die Ekklesia heute gedenkt, ist die Rede von einem Traumgesicht, einer apokalyptischen Vision des Propheten: Vier große Tiere erheben sich aus dem Meer, derer das schrecklichste das vierte Tier ist. Diesem Tier entwachsen Hörner, darunter eines, "das Augen hatte und einen Mund, der Freches redete und dessen Aussehen größer war als das der anderen". Und es heißt weiter:
Ich sah, wie dieses Horn des Höchsten Heilige bekriegte und wie es über sie die Oberhand gewann, bis daß der Hochbetagte kam und Recht verliehen ward den Heiligen des Höchsten, und bis die Zeit erschien, wo Heilige das Reich besitzen sollten (Dan 7, 21 f.).
Was dies konkret bedeutet, bleibt uns verborgen - die Erläuterung, die das Buch Daniel in den fortfolgenden Versen bietet, erhellen das Geschehen nicht wesentlich, auch wenn immer wieder der Versuch unternommen wurde, das Gesagte im Lauf der menschlichen Geschichte zu identifizieren. Ein - eigentlich schier unvorstellbarer Satz - steht aber in aller Deutlichkeit vor uns: Von der finsteren Macht, die hier geschildert wird, heißt es, sie gewönne die Oberhand über die Heiligen des Höchsten.
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Auch hier bleibt offen, was dies bedeuten kann. Oberhand gewinnen kann zum Beispiel heißen, daß sich die Heiligen von dieser Macht korrumpieren lassen und ihr erliegen. Wir können Daniels Vision dann als Warnung lesen, daß wir auf der Hut sein sollen, das Reich Gottes nicht an das Reich einer Gott abgewandten Welt zu verraten.
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In diesen Tagen können wir freilich besonders der verfolgten Christen denken - und Hand aufs Herz: Wer hadert nicht zuweilen mit Gott, wenn er die Photos und Aufnahmen der geschändeten, gefolterten, gequälten und ermordeten Schwestern und Brüder sieht ... Bilder von nicht selten unerträglicher Brutalität? Wie kann Gott dies an seinen Kindern zulassen? Und doch ist auch dies eine Entwicklungslinie im Heilsplan - das sagt uns nicht nur das Buch Daniel, dies können wir auch in anderen Büchern der Heiligen Schrift lesen, in einigen Psalmen beispielswegen oder in der Offenbarung des Johannes: Das Wort des Kyrios, es nehme sein Kreuz auf sich, wer ihm nachfolgen möchte (Lk 9, 23), kann bitter werden, seit Christus sein Kreuz nach Golgatha getragen hat, um daran zu sterben: geschändet, gefoltert, gequält und ermordet.
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Oder anders gesagt: So sehr andere Erzählungen des Buches Daniel - etwa die Episode der drei Jünglinge im Feuerofen (Dan 3) oder jene von der zu Unrecht verklagten Susanna (Dan 13) - unser Vertrauen auf die schützende Vorsehung des Höchsten untermauern und stützen, so wenig dürfen wir nicht die Kernbotschaft dieser Schilderungen aus dem Auge verlieren; die Botschaft, daß Gott die Not der Bedrängten niemals aus dem Blick verliert, daß er seinen Engel in die Flammen sendet und einen Anwalt, der Susanna zur Seite tritt: Gott bewahrt seine Heiligen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß er dies für dieses Leben tut, womöglich aber bewahrt er sie für die kommende Welt und schließt das Buch dieser Zeit.
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Das auszuhalten gehört zum Wagnis, welches wir Glauben nennen. Der heilige Prophet Daniel helfe uns durch seine Fürsprache, daß wir nicht verzweifeln an Gott in den Stunden der Anfechtung - ob sie nun andere treffen oder vielleicht uns selbst: ora pro nobis!
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Der Prophet Daniel - Deckenbild in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist zu Operrotweil am Kaiserstuhl.

1 Kommentar:

Eugenie Roth hat gesagt…

Vergelt's Gott!