Montag, 6. Juli 2015

Ein Wort Symeons, des Theologen

Wenn ich mich - meist zu etwas zu fortgeschrittener Stunde - unter die Bettdecke verkrieche (derzeit liege ich freilich eher daneben), blättere ich gerne in irgendeinem Buch herum, wissend, daß die Augen über aller längeren Lektüre fallen würden, und mithin einfach nur einen Gedanken heischend, der mich in den Schlaf begleiten soll. In den Hymnen Symeons des Jüngeren, des Theologen, eines heiligen Abtes und Einsiedlers zur Zeit der ersten Jahrtausendwende, stieß ich auf so einen Gedanken ...
Der Menschenseele ganzen Willen halte ich für einen. Wer also seinen Willen dem Gottesgeist vereinigt, der wird Gott ähnlich. Nachdem er Christus in sein Herz genommen, ist durch Christus er ein Christ geworden, da ja Christi Bildnis in ihm ist, des Unfaßbaren, des Alleinen, und er in Wahrheit jenen in sich schließt, der allen Wesen, die erschaffen, gänzlich unerreichbar ist (Dreizehnte Hymne).
Das Wort fasziniert mich ob der Größe des Gesagten, aber es schreckt mich auch ein wenig: Erhaben der Gedanke, daß der Mensch eins in sich und mit sich sein kann in der Kraft seines Willens, erschreckend der Gedanke, wie dieser Wille bei uns in den Wechselfällen des Lebens zersplittert ist. Erschreckend auch der Gedanke, wie "unähnlich" wir Gott die meiste Zeit sind, wie wenig Platz Christus in unseren Herzen findet, wie besudelt und zertreten das Bild Christi in uns ist. Dürfen wir uns wirklich Christen nennen?
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Doch auf der anderen Seite: Wie auch sollten wir fassen, den kein Geschöpf fassen kann? Und nicht wir können die Einheit unseres Willens bewirken - nur Gott, der "Eine" überhaupt, die Quelle und das Ziel allen Eins-seins, kann es, wenn wir unseren Willen ihm immer wieder hin-halten, damit er das Bild Christi in uns forme und die Narben all unserer Bilder heile. Und über aller Klage des Herzens steht das Wort, das Gott größer ist als unser Herz: Er weiß alles. Und wir werden vor ihm unser Herz überzeugen (vgl. 1 Joh 3, 19) - und sei es, Gott gebe es, mit dem letzten Atemzug.

1 Kommentar:

Tarquinius hat gesagt…

Na, da ham wir's ja wieder, den beschriebenen geistlichen Akzent. ;-) Auch darum liest man hier gerne.