Dienstag, 30. Juni 2015

Vom Herzensgeheimnis in der Stunde am Kreuz

 Herz Jesu - Pfarrkirche St. Remigius zu Heuweiler 
Eine erschütternde Seite habe ich in diesen Tagen aufgeschlagen. Ich fand es in dem zuweilen bereits erwähnten Bändchen mit Gebeten von Erich Przywara SJ - der Text zeichnet ein Bild unseres Glaubens, dem wir vielleicht lieber ausweichen würden, das uns aber immer wieder in die Quere kommt und bei dem wir ahnen, wie arm und schwach und zweifelnd wir im Bekenntnis stehen. Przywara beschloß seine - damals zumeist in München gehaltenen - Predigten mit solchen Gebeten; dieses hier stammt aus dem Januar 1945. Es soll auf seine Art diesen dem Herzen Jesu geweihten Monat beschließen:
O Heiland, wir knien vor Dir nicht nur mit einem schwachen Glauben, nicht nur mit einem armseligen Glauben, sondern wir knien vor Dir eigentlich mit keinem Glauben: mit einem nur angelernten Glauben, aber verzweifelten Glauben: mit dem Wunsch, glauben zu können, und doch mit dem Wissen, daß wir es eigentlich nicht können.
O Heiland, es ist noch schlimmer: wir glauben eigentlich nicht, daß wir einmal glauben könnten! Wir möchten, daß diese Finsternis uns ganz überdecke! Was wir möchten, ist fast dies, daß das ewige Leben nichts sei als ein ewiger Schlaf und ewiges Vergessen.
Heiland, wir bitten dich, laß uns in dieser Stunde erkennen, welch' Geheimnis Du mit uns tust: daß Du uns hinein nimmst in Dein Herzensgeheimnis, in Dein Liebesgeheimnis der Stunde am Kreuz, wo Du selber gesagt hast: "Gott, mein Gott, wozuhin hast Du mich verlassen?!" Wo Du selber, der Sohn des Ewigen Vaters, der in der Schau Gottes steht, wo Du einen verfinsterten, ausgeleerten, vernichteten Glauben bekannt hast.
Heiland, laß uns ein wenig spüren, daß wir hierin Deine Gnade und Liebe haben, daß wir in diesem Glauben bei Dir sind wie noch nie.
Erich Przywara: Auferstehung im Tod. Gebete. Zürich o.J. S. 47 f. Im Bild eine Herz-Jesu-Darstellung in der Pfarrkirche St. Remigius zu Heuweiler im Breisgau.

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