Samstag, 27. Juni 2015

Unserer Lieben Frauen von der immerwährenden Hilfe Bild und Botschaft

 ULF von der immerwährenden Hilfe - Bubenbach, Pfarrkirche St. Joseph 
Seit langer Zeit wird unter dem Titel Maria von der immerwährenden Hilfe zu Rom eine Ikone verehrt, die wahrscheinlich im 14. Jahrhundert auf Kreta geschaffen wurde. Sie zeigt uns Unsere Liebe Frau mit dem Jesusknaben. Während Maria den Betrachter unmittelbar anschaut, blickt das Kind auf ihrem Arm auf einen der beiden Engel (es handelt sich um Michael und Gabriel), die in ihren Händen die Leidenswerkzeuge tragen. Jesu Hand ist dabei in die Hand seiner Mutter gelegt. 
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Die "immerwährende Hilfe" Mariens ist, das scheint mir die Botschaft dieser Darstellung, keine Versicherung gegen irdische Not, gegen Elend und Bedrängung im Leben. Die Leidenswerkzeuge, die vom bitteren Los des Kindes zeugen, sind im Bild präsent; sie stehen auch für all das Leidvolle, das uns im Leben widerfährt und worauf wir womöglich so angstbesetzt schauen, daß wir für nichts anderes mehr Augen haben. Und doch dürfen wir uns in die Hand der Mutter bergen: Ihr offener und auf uns gerichteter Blick soll uns die Augen öffnen und weiten, daß wir bei ihr, was immer geschieht, geborgen sind: Maria sucht unser Antlitz - erwidern wir vertrauensvoll diesen Blick!
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Zum heutigen Gedächtnis Mariens von der immerwährenden Hilfe seien - zumal heute in einem Kommentar nach der Quelle gefragt wurde - die gestern vermerkten Verse Petrarcas vollständig wiedergeben:
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Du schöne Jungfrau, sonnenglanz-umkleidet,
von Sternepracht gekrönt, der höchsten Sonne
so lieb, daß sie in dir ihr Licht verbarg:
die Liebe drängt mich, Worte dir zu weihen,
doch ohne dich kann ich es nicht beginnen
und ohne Ihn, der liebend in dir weilt.
Dich ruf ich an, die immerdar erhörte,
wer gläubig zu dir rief.
Jungfrau, da zum Erbarmen
die Elendsfülle menschlicher Gebrechen
dich immer hat gerührt, o neige dich mir zu,
steh' mir im Kampfe bei,
bin ich auch Staub und du des Himmels Herrin!

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Jungfrau, so menschlich fühlend, feind dem Stolze,
laß dich von Liebe gleichen Ursprungs leiten,
erbarme dich des tiefzerknirschten Herzens!
Wenn ich ein wenig armen Erdenstaub
mit wunderbarer Treu' so sehr geliebt,
wie werd' ich dir begegnen, holdes Wesen?
Wenn ich aus meiner Armut und geringem Stand
durch deine Hand erhoben,
Jungfrau, deinem Namen
Gedanken, Geisteskraft und Stil,
Zunge und Herz, Tränen und Seufzer weihe,
leit' mich zu bess'rer Furt
und nimm in Gnade auf mein neues Sehnen!
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Es naht der Tag und kann nicht fern mehr sein,
es eilt und fliegt die Zeit,
Jungfrau, einzig Erwählte,
und Herz, Gewissen und der Tod mich drängen.
Empfiehl mich deinem Sohn, der wahrer Mensch
und wahrer Gott,
daß Er aufnehme meinen letzten Hauch im Frieden.
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Die Canzone von Francesco Petrarca wurde von Alexander Baumgartner ins Deutsche übertragen. Entnommen dem Band: Das große Marienbuch. Vaduz 1965. S. 208 mit Verweis auf den Manesse-Band von Otto Karrer: Maria in Dichtung und Deutung. Das Abbild Unserer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe hängt in der Pfarrkirche St. Joseph zu Bubenbach im Schwarzwald.

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