Sonntag, 28. Juni 2015

Tagessplitter

Aus dem Mitte-Sixties erschienenen Artikel der Schweizerischen Kirchenzeitung, welcher Äußerungen von Giacomo Kardinal Lercaro aus dem Gefechtsfeld liturgischer Rumreform reportiert, hat konzilsblog.ch am Freitag einen Beitrag nachgeschaufelt: "zu Übertreibungen in der Liturgiereform". Das klingt dem Alte-Messe-Molch beinahe versöhnlich im Ohr, schwenkt aber bei genauerem Hinlesen - was Wunder auch! - ein fettes Bocksbein. Der Kardinal beklagt zwar das (im Jahr 1965 noch nicht erlaubte) laute Beten des Canon Romanus und die damals noch illegal um sich greifende Praxis der Pfotenkommunion; wer aber glaubt, Lercaro hätte das für unziemlich, der Ehrfurcht zuwider und nicht angemessen gehalten, stellt fest, daß den Kardinal weniger die Sache an sich, sondern vor allem die Eigenmächtigkeit einzelner Priester gegrätzt hat. Und das war erst der Anfang liturgischer Inkulturation in den Geschmack der Zelebranten. Pappnasen und Karnevalsmessen kannte da noch keiner.
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Nach dem ersten Tagessplitter zu diesem Thema (hier) streifte übrigens ein Kommentar das Alter der Nachgeborenen - was mich erstens an Lercaros Vermutung erinnerte, die "Macht der Überlieferung, der Gewohnheit" könne bei manchen ("älteren Leuten") Widerstände gegen die neue Liturgie wecken, und mich dann zweitens etwas grinsen ließ. Denn für mich war das "Gewohnte" ausgerechnet jene "neue" Liturgie, mit der ich aufgewachsen bin, und auf die ich heute so garnichts halten mag. Meine "persönliche" Liturgiereform äußerte sich mithin in der restlos widerstandsfreien Hinwendung zur "alten Messe" und zum Stundengebet vorkonziliaren Zuschnitts ... und ich danke Gott, daß er mir derzeit die Möglichkeit schenkt, regelmäßig daran Teil haben und in diesen Ozean abtauchen zu dürfen, in den die Jahrhunderte ihre ganz unterschiedlichen Quellen und Wasser ergossen haben.

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