Montag, 29. Juni 2015

So kehren sie wieder und kommen unter dem Jubel der ganzen Ekklesia

Die heiligen Apostel Petrus und Paulus; Deckenfresko in der Klosterkirche zu St. Peter im Schwarzwald
Quoniam beatus Petrus et Paulus Apostoli tui,
quod in lacrymis seminarunt,
in gaudio metere nunc probantur.
Et qui euntes ibant et flebant,
non morte perterriti,
sed ut beatæ perciperent plenitudinem passionis,
gloriosi sanguinis semina pretiosa mittendo,
venientes ecce nunc veniunt
in exsultatione totius Ecclesiæ,
fructum victoriæ sempiternæ
et præsentibus referentes præmiis et futuris.
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Denn nun werden beglaubigt
der selige Petrus und Paulus, deine Apostel,
da sie in Freuden ernten, was sie unter Tränen gesät.
Die auszogen und gingen unter Klagen,
sie schreckte der Tod nicht ab,
vielmehr nahmen sie auf sich die Fülle seligen Leidens,
zu säen den kostbaren Samen ihres hoch zu rühmenden Blutes,
seht: so kehren sie wieder und kommen
unter dem Jubel der ganzen Ekklesia
und tragen herbei die Frucht ewigen Sieges,
den Lohn dieser und der kommenden Welt.
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Diese wunderbaren Worte einer alten præfatio zum Fest der hl. Apostel Petrus und Paulus sind dem Sacramentarium Leonianum entnommen, einer Handschrift des 7. Jahrhunderts, welche uns, so nimmt man heute an, einen Einblick in die leiturgía Roms des 5. Jahrhunders gewährt: ein kleiner Schatz der betenden Ekklesia jener alten Zeit.
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Jenseits solch liturgiegeschichtlicher Erwägung deutet uns der Text aber auch Psalm 125, dessen letzte Verse unüberhörbar paraphrasiert werden: Unter Jubel tragen die Apostel die Frucht ihrer Klagen und Tränen herbei - wir aber, die der Kyrios aus der Gefangenschaft der Sünde und des Todes befreit hat, können beim Psalmisten einstimmen: "Der Herr hat Großes an ihnen getan! - Wahrlich, der Herr hat Großes an uns getan!" (Ps 125, 2 f.). Nun helfe uns die Fürsprache der heiligen Apostel, daß ihre Leiden und Mühen auch an uns fruchtbar, mächtig und groß werden ... ora pro nobis!
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Bild: Petrus und Paulus begegnen einander in der Gefangenschaft zu Rom; Deckenfresko von Franz Joseph Spiegler in der Klosterkirche zu St. Peter im Schwarzwald.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Eine schöne Präfation, die Du da hervorgezaubert hast. Das entsprechende Sakramentar bietet da ja eine reiche Fülle. Wenns nicht schon so abendlich wäre, hätte ich ja noch die no. XXVI eingestellt, die in den NOM verwurstet wurde...

Andreas hat gesagt…

Ach du grüne Neune! Die Rede von "Israels heiligem Rest" ist aber auch nicht gerade konform zu Nostra Aetate! Hat das schon jemand dem Bischof von Aachen erzählt ...?!?