Sonntag, 17. Mai 2015

Weisheiten aus Wald und Wiese

Daß der Gründe wenige sind, der Arbeit katholischer Medienstellen aktuell über den Weg zu trauen, ist mir in den vergangenen Tagen wieder aufgegangen - an einer Geschichte, über die ich bei Fratzbuch gestolpert bin. Von Mitblogger KingBear, der die Sache an der Quelle, dem Profil des Bistums Münster, zuerst aufgegriffen hatte, wurde der Fall bereits gestern auf Huhn meets Ei thematisiert: Dem Bistum fiel nämlich zum Himmelfahrtstag offenbar nichts anderes ein, als der FB-Gemeinde einige Wald- und Wiesen-Weisheiten zu präsentieren, wie man sie alle Tage im Jahr vom Stapel lassen kann, ohne auch nur einen Zeitgenossen mit dem gerade gefeierten Festmysterium oder sonstigem spezifisch-christlichen Gehalt zu behelligen. Warum auch sollte man die Menschen - ob sie nun glauben oder nicht - beispielswegen mit Gedanken aus dem Kontext der Himmelfahrt konfrontieren, in denen jede Menge Sprengstoff steckt ...
Ihr werdet jedoch Dynamis empfangen, wenn das Heilige Pneuma über euch kommt; und so werdet ihr meine Martyres sein in Jerusalem, in ganz Judäa und in Samaria; ja: bis an die Eschata der Erde (Apg 1, 8).
... wenn eine wohlige Variante von "Seid ein bisschen netter zueinander" für Münsteraner Medienschaffende den Anspruch ausfüllen kann, Nächstenliebe so zu verkünden, wie es der Ekklesia aufgetragen ist?
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Vielleicht würde ich weniger mit den Zähnen knirschen, wenn diese unverbindlich gehaltenen Appelle an Mitmenschlichkeit (je inflationärer im Gebrauch, desto belangloser übrigens in der Wirkung) nicht so symptomatisch wären für das, was heute als kirchliche "Verkündigung" auf die Menschen los- und abgelassen wird. Der Pfarrbrief meiner Seelsorgeeinheit beliefert mich in ähnlicher Weise regelmäßig mit Sprüchen, die man genauso gut im Greenpeace Magazin, im amnesty journal, in der Apotheken Rundschau oder zuweilen auch in der ADAC Motorwelt zu lesen kriegen könnte (womöglich werden sie irgendwo dort auch abgeschrieben, weiß man's?).
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Führt man sich dann noch vor's Gemüt, was der deutsche Katholizismus (man ist ja nicht bei armen Leuten) aufwendet, um seinen gewaltigen Print-Online-Funk-und-Fernsehen-Medienladen durchzufüttern (von der Bischofskonferenz über die Diözesen, Akademien und Verbände bis zum Kirchenblättchen vor Ort) ... und nimmt man alsdann Wirkung und Effizienz ins Visier ... und fragt man sich zu allem Übel, warum die Gottesdienste immer schlechter besucht werden ... und warum selbst vielen Christen die basics des Glaubens völlig unbekannt sind ... und warum die Relevanz der Kirche in der Öffentlichkeit immer weiter abnimmt ... dann mag man sich entweder ein messerscharfes controlling wünschen - oder einfach nur den Kopf schütteln und K... gehen.
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Der Beitrag von KingBear ist hier zu finden.

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