Dienstag, 19. Mai 2015

Tradis fiese Ketzergedanken

Nicht neu, aber gewohnt gruselig: Der Kreuzknappe hat einmal mehr eine allzu vertraute Pastoral-Vision aus dem Netz gefischt, aktuell in der Variante eines Münsteraner Kirchenrechtlers. Kern der Ausführungen scheint die bereits etwas angeschimmelte These, man müsse, wo es der Priester genug nicht mehr gebe, Laien in die Leitung von Gemeinden berufen, derweil sich die noch verbleibende Geistlichkeit auf eine Kernkompetenz zurückziehen solle: die Feier der Heiligen Messe.
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In der Deutsch-Schweiz wird dieses Modell zunehmend praktiziert, wobei die leitenden Laien auch ohne priesterlichen Beistand gottesdienstliche Aufgaben übernehmen. Mancherorts wird dabei feinsinnig zwischen "Wort-Gottes-Feier mit Eucharistiefeier" (sprich: Messe) und "Wort-Gottes-Feier mit Kommunionfeier" (sprich: Laientheater) unterschieden (interessant am Rande: Meßstipendien feiert man hier und da im einen wie im anderen Fall dennoch ab). Auch das ist nichts Neues mehr. 
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Eine Organistin im Basler Hinterland klagte mir kürzlich ihr Leid: Die Leute beschwerten sich, sie begleite die Lieder zu laut. Meine übliche Antwort ("Sagen Sie dem maulfaulen Volk, die sollen einfach lauter singen") half nicht weiter; wenn sich am Sonntag unterhalb der Orgel sechs Gläubige von einer Laientheologin bespaßen lassen, stoßen solche phontechnischen Ermunterungen tatsächlich sehr rasch an die Grenzen dessen, was so ein verschrecktes Häuflein singend leisten kann.
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Der mangelnden Attraktivität solcher Gottesdienste (obschon jede Menge Energie in die "Gestaltung" verschwendet wird) kann man eigentlich nur mit einer fortgesetzten Ent-Eucharistisierung der Gemeinden begegnen: Wenn kaum einer mehr so richtig weiß, was eine Messe ist, erscheint das priesterfreie Tralala irgendwann nicht mehr wie eine Notlösung, sondern als die Regel des Betens. Erste Schritte dahin hat man erfolgreich getan, sobald der Priester zum "priesterlichen Mitarbeiter" der Gemeindeleitung degradiert worden ist - also: zur Randfigur mit passend peripherem Leistungsportfolio, welches dann und wann abgerufen wird. Die Das Konzil-Aussage, die Eucharistie sei "Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens" (LG 11), läßt sich hernach mit Hilfe des Konzilsgeistes getrost entsorgen: Herrlichen Pleiten wurden wir entgegen geführt!
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Zum Schluß: Angesichts der atemberaubenden Berufspastoral unserer Zeit werde ich zu diesem Eintrag keine Kommentare (falls überhaupt welche kommen) freischalten, die mit Verweis auf den "Priestermangel" das Heran- und Herumwabern von "Gemeindeleitern" oder "priesterlosen Gottesdiensten" verteidigen, fordern oder gar bejubeln. Sorry!
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Der eingangs erwähnte Beitrag vom Kreuzknappen ist hier zu finden.

Kommentare:

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

Nun, das Priesternetzwerk hat es schon vor ein paar Jahren (2009) in einem Vortrag gesagt: Der Priester als (reisender) Sakramentenonkel.
http://priesternetzwerk.net/grossgalerie8_____12793.html

In der Schweiz, wo das System "erprobt" ist, und Gemeinde-/Pastoralreferentinnen die "Gemeindeleitung" stellen, wurde zur gleichen Zeit von einem pensionierten Priester berichtet, der Sonntags vis a vis von der Kirche auf seinem Wohnzimmertisch die Messe zelebriert, weil "die Gemeindeleitung" nur Priester nimmt, die sie wider Kirchenrecht das Evangelium vortragen läßt, Predigen läßt und nicht muckt, wenn sie im Stile einer Konzelebrantin am Altar steht.

In Limburg hatte man ja versucht, dieses Modell zu kopieren, bis es Ex. Tebartz van Elst beendete. Schüller war 4 Jahre persönlicher Referent von Bischof Kamphaus und von 1993-2009 Leiter der Stabsstelle Kirchliches Recht im Ordinariat. Seit 2009 Prof für Kirchenrecht in Münster und oh Wunder eifriger Schreiber von Gutachten gegen den Nachfolger seines Mentors.

Fisch, ich riech Dich stinken, oder so ähnlich...

Tarquinius hat gesagt…

Wenn man so in der altfrommen Erbauungsliteratur liest, welche Wirkung denn die sakramentale Gegenwart des Heilandes und die Feier der hl. Mysterien auf die Umgebung hat ... da kann man sich angesichts aktueller Umstände nur fragen, was in unseren eucharistiebefreiten Zonen noch so alles geschehen mag!

PS: Hier wird ja schlimmer zensuriert als seinerzeit im S. Officium! ;-)

Andreas hat gesagt…

Danke für den Hinweis auf die Materialien des Priesternetzwerkes!

S. Officium? Das ist doch sowieso nur die Weichspülversion der Inquisition ... ;-)