Dienstag, 12. Mai 2015

Tagessplitter

Vielleicht muß es doch einmal deutlich gesagt werden: "Inszenierungen" wie "Maria als Königin der Apostel" sind keineswegs nur eine Frage der "privaten Erbauung", wie es in einem recht kritischen anonymen Kommentar zu lesen stand, der zum vorigen Beitrag aufschlug. Man mag die gestrigen Ausführungen womöglich etwas blumig finden, aber das ändert nichts daran, daß die Ekklesia Maria als Königin ehrt - aus altem Herkommen und mit einem Fest, welches selbst Das Konzil samt dessen liturgischer Ummöblierung überstanden hat: lex orandi lex credendi - die Regel des Betens findet in der Regel des Glaubens ihren Niederschlag.
.
Falsch wäre freilich die Annahme, die verschiedenen königlichen Titel, unter denen Unsere Liebe Frau in der Lauretanischen Litanei angerufen wird, wären jenem Titel von Maria als einer Königin hinzu zu addieren - vielmehr sind sie Entfaltungen der einen königlich-erhabenen Würde Unserer Lieben Frau. Vor allem die Anrufungen, die Maria als Königin der Engel, der Patriarchen, Propheten und Apostel, der Martyrer, Bekenner und Jungfrauen und mithin als Königin aller Heiliger anrufen, zielen letztlich darauf, Maria als Königin des Gottesreiches insgesamt zu ehren.
.
Dies wiederum ist aber genuin katholisch, so wie die Lauretanische Litanei genuin katholisch ist. Das hat nichts mit irgendwelchen obskuren Privatoffenbarungen und sonstigem pseudofrommen Firlefanz zu tun. Beklagenswert aber bleibt, wie sehr seit fünf Jahrzehnten profilierte katholische Glaubensformen und -äußerungen bei immer mehr - gewiß wohlmeinenden - Katholiken erodieren, so daß man zwischenzeitlich selbst das Königtum Mariens im eigenen Lager verteidigen muß.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Man muß gar nichts verteidigen. Maria, die Mutter Jesu (der Titel reicht völlig aus, um sie mit aus tiefster Überzeugung zu verehren!), wurde in der Kirchengeschichte immer unterschiedlichen Facetten verehrt: mal als Schmerzensreiche, mal Triumphatorin, mal als Fürsprecherin der Armen. "Inszenierung" als individuell-willkürliches Auf-die-Bühne-bringen ist da vielleicht wirklich ein mißverständlicher Begriff. Aber widerstehen wir der Versuchung, bestimmte Sichtweisen auf Maria als "katholisch" und andere Positionen, die diese als persönlich schwer zugänglich skizzieren, als "un-katholisch" zu brandmarken. Vermutlich werden die meisten Christen selbst in ihrem überschaubaren Leben, das Glaubensbekenntnis bejahen, aber ihr Marienbild einem stetigen, altersbedingtem Wandel unterworfen sehen. Allein um das exklusives Bild von ihr als alle überragender Mensch und Mt. 11,11 in Übereinstimmung zu bringen, braucht es einige Reflexionen.

Tarquinius hat gesagt…

Mir scheint die ganze Kritik von Ihnen, verehrter Anonymus, irgendwie an den Pro-Spe-Salutischen Anliegen vorbeizugehen. Andreas will sicher niemandem aufzwingen, täglich drei Mal die Gottesgebärerin unter diesem Titel zu grüßen ... oder andere Formen marianischer Frömmigkeit in Abrede stellen. Der geschätzte Autor dieser Seite hat die allerseligste Jungfrau, zumeist in Harmonie mit dem liturgischen Jahr, doch schon in ganz verschiedener Weise aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Und dieses Licht auf einen so tiefen Aspekt der Mysterien Christi wollen sicher viele Leser nicht missen wollen. Zumindest zähle ich mich dazu.

Aber welche Sicht ist denn katholisch, wenn nicht die, welche die Kirche seit Jahrhunderten pflegt? Und wenn diese geheiligte Praxis und Lehre als tendenziell gefährlich "gebrandmarkt" wird, muss man sich nicht wundern, wenn das etwas heftigere Gegenreaktionen hervorruft. Unsicher mag allein unsere wankelmütige, immer der Gefahr des Irrtums unterliegende eigene Reflexion sein. Glücklicherweise unterliegt die Ekklesia nicht dieser all zu menschlichen Beschränkung. Sie würde uns daher niemals etwas vorlegen, was unseren Glauben in Gefahr bringen könnte. Die Heiligen lehren uns nicht ohne Grund, dass der marianische Weg der einfachste Weg zu Christus ist - nicht der schwierigste.

Elsa hat gesagt…

@anonym
Lesen Sie einfach die Lauretanische Litanei. Sie lässt sich kinderleicht ergoogeln. Sie müssen die lauretanische Litanei auch nicht selbst beten. Aber alle Titel, die dort vergeben sind, wurden bezüglich Maria schon immer verwendet bzw. "geglaubt". Ganz einfach.
Zugegeben, in Deutschland betet oder kennt sie kaum einer (mehr). Das ändert aber nichts an der Tatsache als solche.

Andreas hat gesagt…

Vergelt's Gott zunächst an Elsa und Tarquinius für das Beispringen in dieser kleinen Debatte!

Liebes Anonym (anonyme Kommentare lassen im strengen Sinn leider nur solche Anreden zu),

angesichts einer gewissen Inbrunst der Opposition habe ich durchaus den Eindruck, daß es hier etwas zu verteidigen gilt.

Ich möchte angelegentlich nur feststellen, daß nicht ich den Begriff "unkatholisch" eingeführt, sondern allein "genuin katholischen" Sichtweisen das Wort geredet habe; was ein Anderer daraus hört, könnte einerseits ebenso zutreffen wie es andererseits einen wunden Punkt beim Rezipienten berührt: ich entscheide nun nicht, was bei Ihnen der Fall sein mag.

Man sei aber versichert: Wie Tarquinius bereits feststellte ... ich schreibe niemandem vor, wie er sich zu Unserer Lieben Frau zu verhalten habe. Ich behalte mir aber vor, auf diesem - privaten - blog zuweilen meinen glaubenden Blick darauf aufzudecken.

Was nun Mt 11, 11 ("Wahr ists, ich sage euch: Erweckt wurde unter den Weibgeborenen kein Größerer als Johannes der Täufer"): Der Kontext legt eindeutig nahe, daß als Vergleichsgrößen die Propheten des Alten Bundes herangezogen werden. Zudem fällt Maria als die Unbefleckt Empfangene aus der üblichen Kategorie der Weibgeborenen heraus. Nicht von ungefähr ordnet daher die Ekklesia den Täufer in der Allerheiligen-Litanei Unserer Lieben Frau und den Engeln nach, zieht ihn aber dem hl. Joseph vor.

Andreas hat gesagt…

Ein Nachtrag noch - gerne verweise ich auf die weiterführenden Ausführungen des Kollegen:

http://denzinger-katholik.blogspot.de/2015/05/blogozesane-schutzenhilfe-und-maria.html

Tarquinius hat gesagt…

Nachtragen möchte ich zu meinen Äußerungen oben auch noch, dass ein kirchlicher Glaube freilich nicht, ganz Anselmisch, die Suche nach Einsicht verbietet. So soll man mich nicht verstehen. Ganz im Gegenteil. Ohne ihn, also den Glauben, beraubt man aber aller theologischen Reflexion letztlich der Grundlage - und der besten Leitschnur.

Anonym hat gesagt…

Ich bin beeindruckt, allerdings auch etwas eingeschüchtert, weil ich mich eurem Niveau der Debatte offengestanden nicht ganz gewachsen sehe. Zudem auch erleichtert, eine Erklärung für Mt 11,11 bekommen zu haben. Danke!Schön, dass ihr so fest steht, das Alte wach haltet und einander stärkt. Ich bin da (noch?) nicht so firm. Bleibt aber bitte auch offen für Fragen, Randbemerkungen und Kommentare. Non licet omnibus adire corinthum. Die Ecclesia ist mir wichtig, aber ich bete auch darum, dass sie recht hat. Sie ist - nach dem bekannten Bild - der Mond, nicht die Sonne.

Andreas hat gesagt…

Grüß Gott!

Vielleicht nochmals einige Anmerkungen:

Einschüchtern lassen sollte man sich nicht; jeder glaubt, wie er kann (und dazu kann auch Zweifel am und Ringen um den Glauben gehören). Wenn man Schwierigkeiten hat mit Formen der Verehrung Unserer Lieben Frau, dann ist es noch stets der beste Weg, den Kyrios oder Maria selbst zu bitten, einem einen Weg zu zeigen (besser jedenfalls, als sich von uns Bloggern irgendwas gegen das eigene Empfinden einreden zu lassen). So soll sich zum Beispiel niemand gezwungen sehen, das Rosenkranzgebet zu mögen, nur weil man das halt mögen müsste. Lieber selbst von Herzen glauben samt manchem Zweifel ... als nur verzeifelt nachplappern, was andere glauben.

Dann: Das "Alte" wachzuhalten ist kein Selbstzweck - auch der traditionsmuntere Blogger tut gut daran, seine Sicht zuweilen auf den Prüfstand zu stellen - die Gefahr, sich in eine Sache zu verrennen, ist immer gegeben, und dabei besteht obendrein die Gefahr, daß das eigentliche Anliegen vor lauter Rumverteidigen erst recht unter die Räder kommt.

Deshalb: Keine Scheu vor Fragen und Einwänden. Allerdings wäre es schön, wenn das mit einem Namen oder zumindest einem Pseudonym geschieht. Es ist einfach ein anderes Gegenüber, wenn ein Name im Raum steht. ;-)