Freitag, 22. Mai 2015

Rückbesinnung

... Aus Ritas letzten Lebensjahren ist noch ein Ereignis berichtet, das in der Weihe der "Rita-Rosen" fortlebt. Nachdem sie viele Sieche gepflegt, erkrankte sie selbst auf den Tod. Die Verwandten eilten herbei, um einen letzten Segen von ihr zu erhalten. Rita, die immer Tätige, die nun Zeit hat auszuruhen, läßt die Gedanken zurückwandern in das Land der Kindheit, und er erwacht in ihr der Wunsch, sich noch einmal am Duft einer Rose aus dem Gärtlein des elterlichen Hauses zu Rocca Porena zu laben. Eine Rose mitten im Januar? Die Verwandten sehen sich fragend an; sie glauben an den Fieberwahn einer Sterbenden. Da Rita aber eindringlich bittet, geht einer von ihnen zurück, und als er wiederkehrt, hält er in den Händen eine prachtvolle, eben erst erblühte Rose, einen Dank des Himmels für ein Leben des Opfers. Rita lebt noch ein paar Jahre. Drei Tage vor ihrem Tode erfährt sie durch eine Erscheinung die Stunde ihres Ablebens. Sie stirbt im Alter von sechsundsiebzig Jahren am 22. Mai 1457. Seit ihrer Heiligsprechung am 24. Mai 1900 hat ihre Verehrung überall in der Welt zugenommen. Besonders wird sie als Helferin in aussichtslosen Nöten angerufen. Ihr Geist wirkt weiter in den Organisationen der katholischen Krankenfürsorge, die die ... Heilige von Cascia zu ihrer Patronin erkoren haben.
Nach einem bewegten und an Opfern reichen Leben als Mutter, Witwe und Ordensfrau besinnt sich die heilige Rita von Cascia, so erzählt die Legende, eines Tages ihrer Kindheit - eine sympathische und zutiefst menschliche Regung. Je älter man wird, desto mehr leuchten zuweilen die frühen Tage wieder auf: zuweilen glaube ich unterschwellig darin auch eine auf Größeres verweisende Sehnsucht zu sehen, denn mit der Kindheit verbinden viele einen Glauben, der von keiner Anfechtung weiß, Vertrauen, Geborgenheit in der Liebe der Eltern. Es mag sein, daß wir - geprägt durch die Narben, die sich unserem Herzen nach und nach im Leben eingeschnitten haben - in dieser Rückschau manches verklären. Ist das schlimm? Ich denke nicht - denn auch das wird Vorhall eines Letzt-Ewigen: der Kindschaft in der Liebe und im Licht des dreifaltigen Gottes. Die heilige Rita helfe uns dahin durch ihre Fürsprache ... ora pro nobis!
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Das Zitat ist entnommen: Hans Hümmeler: Helden und Heilige. Erweiterte Neuausgabe. Siegburg 1964. S. 282.

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