Montag, 18. Mai 2015

Fragwürdiges bei katholisch.de (1)

Um die gestern begonnene Schelte "katholischer" Medien ein Stück weit fortzuschreiben: In den Redaktionsstuben von katholisch.de wird man kaum fürchten müssen, es könne dieses Internetportal ein ähnlich unbequemes Schicksal ereilen wie weiland jene progressive Zeitschrift, welche die deutschen Bischöfe 1968 aus der Taufe hoben, um ihr drei Jahre später die Unterstützung zu entziehen. Das Magazin Publik-Forum hat seither auch ohne eine bischöfliche Finanzspritze überlebt. Mit verlässlich angewiesenem Geld in der Tasche ist es allerdings schlicht einfacher, die Lehre der Ekklesia zu unterlaufen oder auch zu diffamieren; die Bischöfe bekümmert das, am Rand bemerkt, offenkundig kaum noch.
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Ein Musterbeispiel für Strategien, die bei katholisch.de zuweilen gepflegt werden, ist ein Beitrag des Redakteurs Felix Neumann mit dem Titel Kein Skandal, nur Liebe: ein Lobpreis für die Stellungnahme des "ZdK" zu homosexuell lebenden Menschen, zugleich Stimmungsmache gegen jene Katholiken, die in das rosafarbene Hosanna nicht einstimmen wollen.
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Ehe ich - in den nächsten Tagen, so Gott will - auf die haarsträubenden Inhalte eingehe, die Neumann präsentiert, lohnt es sich, die eine oder andere formale Fragwürdigkeit zu thematisieren:
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Kommentare und Meinungen werden auf katholisch.de - ohne jedwede Unterscheidung der Herkunft - vor allem in der Rubrik Standpunkte hinterlegt; auch Neumanns Text ist dort aufgeschlagen. "S'het", wie man hierzulande sagt, aber "ä Gschmäckle", wenn Redakteure (!) dieses bischöflichen Portals ihre zur kirchlichen Auffassung deutlich konträren Ansichten im Schutz eines "pural" ausgerichteten "Meinungsforums" (Obacht: Feigenblatt-Alarm!) propagieren können - zumal die Rubrik Standpunkte faktisch, eigentlich und überwiegend eher mit Gastbeiträgen aufwartet (die, wie ein grober Blick auf aktuell einsehbare Standpunkte nahelegt, allerdings auffallend gerne - und leicht inzestuös - bei Vertretern verwandter Kirchenmedien eingesammelt werden).
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Einst zählte es zu den Markenzeichen der deutschen Medienlandschaft, daß sie nicht nur eine konsequente Trennung von Text (Nachricht) und Kommentar (einordnende Meinung) bot, sondern auch verschiedene Arten von Kommentaren klar auseinander hielt. Auf katholisch.de (aber nicht nur dort) werden hingegen alle möglichen Meinungen in einem Brei, soll heißen: in ein und derselben Rubrik verrührt samt Aberwitz am Ende, daß gegebenfalls ein Redakteur aus dem eigenen Stall für einen Standpunkt verantwortlich zeichnet, nichtsdestotrotz aber der übliche Hinweis erfolgt, der betreffende Standpunkt spiegele "nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider" - als könne sich ein Redaktionsangehöriger auf Seiten, die er redaktionell bewirtschaftet, wie ein unbeleckter Gastautor bewegen! Das mag man erstaunlich unprofessionell nennen - oder vermuten, es stecke Methode dahinter.
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Befremdlich ist bei der Standpunkte-Rubrik zudem, daß sich - Neumanns Beitrag ist geradezu ein Musterbeispiel - die krudesten unkirchlichen Anwandlungen verbreiten lassen (man hält heute schließlich viel auf Meinungsvielfalt!), ohne daß zumindest eine Debatte ermöglicht wird. Der inkriminierte Text läßt sich auf Fratzbuch teilen oder durch die Gegend twittern, am Ursprung kritisch hinterfragen läßt er sich nicht. So steht alsdann völlig unkritisch und scheinbar unbeirrlich auf einer Seite der Deutschen Bischofskonferenz der "Standpunkt" eines katholisch.de-Redakteurs, in welchem andersmeinenden Katholiken "Verwirrung" unterstellt wird, sofern diese eine aktive homosexuelle Lebenspraxis (wohlgemerkt im Einklang mit dem Katechismus der Katholischen Kirche) als "objektiv ungeordnet" erachten.
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Eine letzte formale Überlegung sei gestattet; sie entzündete sich ebenfalls an Neumanns Beitrag, geht aber über diesen hinaus und betrifft letztlich die Vertreter des konservativen Lagers, die zuweilen Standpunkte auf katholisch.de vortragen können (ich denke etwa an den Prälaten Wilhelm Imkamp von Maria Vesperbild oder auch an Monika Gräfin Metternich). So sehr man es begrüßen möchte, daß auch katholische Inhalte über die Plattform katholisch.de kommuniziert werden können, so sehr erfüllt es mich zunehmend mit Unbehagen, wenn sich an einem Tag verbindliche Glaubensinhalte und katholische Sichtweisen auf gleicher Fallhöhe durch eine synkretistische Meinungsarena spazieren führen lassen, wie am Tag danach gegenteilige und restlos unkirchliche Thesen. Es soll damit nicht der Forderung das Wort gesprochen sein, eine Mitarbeit bei katholisch.de zu unterlassen (was schließlich auch bedeuteten kann, daß man sich hierdurch selbst ins Bein schießt), aber die genannten Bedenken über den unbefriedigenden Rahmen entsprechender Mitarbeit bedürften zumindest meines Dafürhaltens des Versuchs einer Klärung.
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Einige Erwägungen zum Inhalt des genannten Artikels sollen demnächst folgen. Ich darf hierfür aber auch auf die Ausführungen von Mathias von Gersdorff hier hinweisen; durch diese wurde ich auf den Einlassungen auf katholisch.de überhaupt erst aufmerksam gemacht.

Kommentare:

Der Kreuzknappe hat gesagt…

Zustimmung!
Siehe auch hier:

http://kreuzknappe.blogspot.de/2015/05/kommentar-dieses-war-der-erste-streich.html

Johannes hat gesagt…

Ich bin mir nicht sicher, ob mein Beitrag Ihren Höflichkeisnormen genügt.

https://kircheninterna.wordpress.com/2015/05/15/deutsche-bischofe-als-sprachrohr-der-homolobby/

Andreas hat gesagt…

Herzlichen Dank für die interessanten Rückmeldungen!

Und ... herzlich Willkommen, Johannes, in meiner Blogliste!