Mittwoch, 6. Mai 2015

Ein Stück aus dem Faden der Weltgeschichte - zur Erinnerung an Kardinal Mindszenty

Der Kardinal war tot; beim Requiem, welches Mitte Mai 1975 in Mariazell gefeiert wurde, zeichnete P. Werenfried van Straaten OPraem nochmals eine der bittersten Stationen aus dem Leidensweg des Verstorbenen nach - die erpressten Selbstbezichtigungen des Kardinals im Rahmen eines kommunistischen Schauprozesses:
Gott hat ihn geprüft! Er wurde einen Kreuzweg geführt, wie ihn bisher kaum ein Kardinal gehen musste ... Unsagbares hat er gelitten! Niemand von denen, die am 5. Februar 1949 während der Rundfunkübertagung seines Prozesses seine Stimme gehört haben, wird jemals den Ton vergessen, mit dem er immer wieder "Igenis, igenis – ja, ja, so ist es!" sagte. Es war nicht die Stimme des wahren, sondern das Stammeln des gefälschten Mindszenty, der durch erbarmungslose Folter zu einem willenlosen Häuflein Elend degradiert war. "In den Augen der Toren schien er tot zu sein" (vgl. Weish 3, 2).
Die ertragenen Leiden und Demütigungen verhinderten nicht, daß der Kardinal in seinen letzten Lebensjahren einer "neuen" vatikanischen Ostpolitik geopfert wurde. In seinen Erinnerungen, József Kardinal Mindszentys Autobiographie, findet sich ein weiteres Zitat - diesmal von Mindszenty selbst - aus einer Rede im Jahr 1946 (S. 119):
Das Kreuz der Kirche ist ein irdisches Erbe. Ihr wirkliches, vollkommenes Osterfest kommt nicht auf dieser Erde, sondern erst, wenn der Faden der Weltgeschichte reißt und die Welt gerichtet wird, wenn die Feinde der Kirche und ihre Kinder gerichtet werden, wenn das Kreuz aufleuchtet und die ewigen Pforten sich auftun (Ps 23, 1), wenn die streitende und leidende Kirche zur triumphierenden Kirche wird. Bis dahin stärken uns die Offenbarungsworte: "Seid getrost, ich habe die Welt überwunden" (Joh 16, 33). Die Pforten der Hölle werden die Kirche nicht überwältigen.
Heute vor 40 Jahren verstarb József Kardinal Mindszenty im Exil. Seine Beispiel sei uns Licht und seine Fürbitte helfe nicht nur uns, sondern auch den verfolgten Christen in dieser Zeit, im Glauben stark zu sein und treu.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Vielen Dank für diese bitter-erbauliche Erinnerung ...

Archangelus hat gesagt…

Vielen Dank, dass wenigsten hier an diesen grossen Kirchenfürsten erinnert wird. Ich hätte den Tag auch übersehen. Vergelt´s Gott!!