Mittwoch, 13. Mai 2015

Das Kreuz als Tor zum Leben beim Vater - Die selige Pentekoste (7)

Odo Casel OSB
Die alte Kirche, überwältigt von dieser Schau des Mysteriums Gottes, sah in dem Auferstandenen zugleich den Erhöhten, Verklärten, zur Rechten Gottes Sitzenden, seine himmlische Gabe Spendenden. Sie sah auch in dem Parakleten, den der Herr verheißen hatte und den er am 50. Tag seiner Kirche sandte, nicht den vom Vater und Sohn etwa getrennten Heiligen Geist, sondern sie schaute in ihm das Pneuma Christi selbst, den pneumatischen Herrn, der ja das Pneuma ist (2 Kor 3, 17) und uns daher das Leben des dreifaltigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Pneumas, vermittelt. Christus selbst, der auch seiner Menschheit nach durch das Kreuz zum Pneuma geworden ist, ist es, der uns die Gotteskraft und den Gotteshauch sendet, der ja sein Leben ist. Das heilige Pneuma kommt durch Christus mit dem Vater und dem Sohne zu uns, wie uns wiederum Johannes klar sagt: "Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Anwalt geben, daß er mit euch in Ewigkeit bleibe, das Pneuma der Wahrheit ... Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. Noch eine kleine Weile, und die Welt sieht mich nicht mehr, ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet. An jenem Tage werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. Wer meine Gebote hat und sie bewahrt, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich selber ihm offenbaren ... Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort bewahren, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen ... Der Anwalt, das heilige Pneuma, den der Vater in meinem Namen senden wird, er wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe" (Joh 14, 16 ff.).
In seiner geheimnisvollen und doch so klaren Art zeigt uns hier Johannes, daß das Pneuma, die Gabe der Pentekoste, nicht von Christus getrennt ist, daß es vielmehr seine Gabe, sein Lebenspneuma ist. Auch die Kirchenväter betonen immer wieder, daß es der Kyrios ist, der uns das Pneuma sendet und im Pneuma selbst zu uns kommt. So sagt Augustinus: "Den Jüngern gab er durch Anhauchung das heilige Pneuma,, damit man nicht meine, das Pneuma, das der Dreifaltigkeit gleich wesentlich und gleich ewig ist, sei nur das Pneuma des Vaters, nicht auch des Sohnes" (De consensu Evangelistarum IV 10, 19). Wie aber der Herr uns das Pneuma sendet, so erkennen wir auch umgekehrt nur im Pneuma Jesus als den Gottessohn: "Keiner kann sagen: 'Jesus ist Kyrios' außer im heiligen Pneuma" (1 Kor 12, 3).
Odo Casel: Mysterium des Kreuzes. Paderborn o.J. [n. 1954]. S. 231 f.

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