Freitag, 29. Mai 2015

Das Konzil, dessen Folgen und die Folgen davon (mit Kuh!)

"Kreuze, Lilien, Tauben" zu verstreuen und bzw. oder "Spitzbögen und Kreuzblumen" zu vermehren, wie im vorigen Eintrag anhand einer Wortmeldung des französischen Dominikaners und Das Konzil-Protagonisten Yves Congar verhandelt, mögen einer Kirche gewiß nicht zwangsläufig eine sakrale Anmutung verschaffen; das Übertünchen, Entstucken und Herausbrechen allen Zierrats aber auch nicht - deutlich wird das etwa an der Kirche St. Blasius zu Buchenbach im Schwarzwald. 
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Während des Konzilsrummels wurde die neugotische Landpfarrkirche (erbaut um 1900 nach Plänen des diözesanen Baudirektors Max Meckel) radikal abgemäht: Alle Wandmalereien abgeklopft oder übertüncht, die Höhe des Kirchenschiffs durch eine abgehängte Zwischendecke reduziert (um im Winter besser heizen zu können), die Altäre auf Eiche rustikal abgelaugt (sie hätten völlig verschwinden sollen, hätte der Stiftungsrat nicht ein Veto eingelegt; von den Seitenaltären blieben aber nur die Figurengruppen übrig). Als neuen Hingucker gab es einen fetten Volxaltar klobigen Zuschnitts. 
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Rund 40 Jahre später hatte man von all der Ärmlichkeit die Nase voll und fand, so stehts im Kirchenführer, das Gotteshaus sei "ohne Atmosphäre" (vgl. hier). Der weiße Putz wurde entfernt, die Zwischendecke entsorgt, Wandbilder und Dekor restauriert oder neu nachgeschaffen; die Altäre bekamen ihre Farbe wieder und andeutenden Ersatz für verlorene Rahmen, derweil der Volxaltar durch ein etwas grazileres Gebilde ersetzt wurde. Et voilà - heute sieht es fast wieder so aus wie früher ...
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Yeah ... ähh Muh!

Kommentare:

Theo hat gesagt…

Das iss klasse. Ich tu' auch immer meine Kuhruhladen in'nen Draht einwickeln tun.

Dann tun die Ruhladen bei'm kochen nich' auseinanderfallen tun un' hinterher kann'se mit't'n Draht schön in'ne Zähne puhl'n.

Anni Freiburgbärin von Huflattich hat gesagt…

Ach ja. Wenn jetzt auch noch statt der Mahlfeier das Heilige Messopfer gefeiert würde, dann wäre Buchenbach ein fantastischer Altersruhesitz :)

Andreas hat gesagt…

Danke, Theo, jetzt weiß ich wenigstens, warum sich der dämliche Draht immer in Bild geschoben hat! Die andern Kuhbilder ohne Ruhladendraht schmeiß ich dann wech ...

Die Ecke ist in der Tat ganz nett - und immerhin: Angesichts der "Umgestaltung" oder auch den Auslagen am Schriftenstand liegt die Vermutung nahe, daß man dort den katholischen Glauben noch nicht restlos ausgetrieben hat. Klar aber auch, daß man bei solchen Kirchen vorstellt, man könnte da doch wunderbar ...

Eugenie Roth hat gesagt…

... Nur die Seitenaltäre sind noch immer ohne Altar, die Figurengruppen warten noch ... wer weiß?

Vergelt's Gott für die schönen Bilder!

Eugenie Roth

Andreas hat gesagt…

Nun ja, in Bezug auf die Seitenaltäre ist das die nachkonziliare Lösung - immerhin ist es ja bemerkenswert, daß der Hochaltar seine Mensa (die man in den Sixties wohl auch entfernt hatte) zurückerhalten hat.

Tarquinius hat gesagt…

Vielleicht wollte der Pfarrer einfach nicht länger mehr Blumentöpfe als Altargerät auf dem Zelebrationsklotz stehen haben ... ? ;-)

Andreas hat gesagt…

Lieber Blumentöpfe als Medizinbälle, sag ich mal so ...