Dienstag, 7. April 2015

Von der Hand in den Mund

Daß meinereiner ein erklärter Gegner der Handkommunion ist, brauche ich wahrscheinlich nicht näher zu erläutern. Es geht mir dabei noch nicht einmal so sehr um irgendwelche Partikel des Leibes Christi, die auf den Boden fallen oder an der Hand haften und weiß Gott wohin geschmiert werden könnten: Der Kyrios ist Mensch geworden und hat sich dem ganzen damit auch verbundenen Dreck ohnehin schon ausgesetzt  ... ganz zu schweigen von einer "formal" zwar geordneten, dennoch unwürdigen Anteilnahme am eucharistischen Mysterium: Angesichts erinnerter Umstände scheint mir die oft heiß umstrittene Partikelfrage mithin geradezu nachrangig (wenn auch nicht ganz egal).
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Mehr wurmt mich, daß der Augenblick heute oft jedweder Signifikanz beraubt ist und der Empfang eher an den Ablauf einer Schluckimpfung als an einen Moment erinnert, in welchem der Heilige in das Leben des Einzelnen - sich schenkend - einbricht: Ein Geschenk empfängt man! Und das nicht unbedingt, indem man sich in einer Schlange nach vorn schiebt, um die Hostie geradezu to go zu bekommen - ein Innehalten ist hierbei kaum möglich, die Sache läuft im wahrsten Sinn des Wortes von der Hand in den Mund, wobei einem die Parole "Weggetreten" mit all jenen im Nacken sitzt, die danach in der Schlange stehen.
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Ist aber eine hinreichend breite Kommunionbank vorhanden ... ja - kniet man sich womöglich auch noch hinein ... ja - nutzt man den kurzen Augenblick des Wartens, um gerade im Knien in sich Stand zu finden ... ja - verleibt man sich die Kommunion nicht per Zugriff gleich einer gewöhnlichen Speise, sondern wird man gespeist: Dann wird doch ein wenig mehr deutlich, was der hl. Thomas von Aquin in einer seiner Hymnen singt: panis angelicus fit panis hominum: Das Brot der Engel wird zum Brot der Menschen.
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Gewiß kann der Einzelne, der den Herrenleib nach soeben beklagten Gepflogenheiten in die Hand empfängt, geltend machen, er empfange das höchste Gut mit aller Andacht und in gutem Glauben: Wer wollte es bestreiten? Der Niedergang in Glaube und in der Verehrung angesichts der eucharistischen Gabe, allenthalben zu beobachten, legt aber den Schluß nahe, daß nicht alles, was einem Menschen ehrlich frommt, allen anderen gleichermaßen zupass kommt.

Kommentare:

viasvitae hat gesagt…

Du hast Recht - insbesondere mit Deiner letzten Beobachtung. Das ist so ähnlich wie beim Stehen während der Wandlung. Begründung: das Stehen symbolisiere die Anteilnahme an Jesu Auferstehung. Das mag sein, aber reflektiert wirklich jeder einzelne Gläubige bewusst das Mysterium der Auferstehung, wenn er in der Kirche das macht, was er an der Bushaltestelle, an der Kasse, im Gespräch auf dem Flur auch tut, nämlich stehen?!

Andreas hat gesagt…

Vor allem das Stehen mit verschränkten Armen beim Hochgebet ... ;-)

Danke für die Rückmeldung!