Donnerstag, 16. April 2015

Tagessplitter

Es hat durchaus Unterhaltungswert, wenn sich die linke Kulturschickeria deutscher Zunge ins Gehege kommt ... wenn etwa (wie jüngst in der Zeit getan) Claus Peymann, nicht nur als Intendant am Berliner Ensemble ein Grandseigneur des hiesigen Gegenwarts- und Vergangenheitstheaters, keine geringere Grande Dame der Kunst als die lituraturnobelpreisige Elfriede Jelinek anpflaumt, sie beteilige sich an der "Zerstörung ... der Theater", produziere zwischenzeitlich ausnahmslos "Textflächen" und "schüttet nur noch den Sprachmüll der Zeit auf der Bühne aus".
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Ob dem so sei ... interessiert hier nicht weiter. Ich meinesteils würde ohnehin vermuten, der Peymann und die Jelinek steckten in Sachen "Zerstörung .... der Theater" so oder so und sowieso unter einer Decke.
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Die von Peymann vor allem beklagte Event-Isierung der Bühnen (die Rolle des Buhmanns in residence gedenkt der Theatermann dabei dem Berliner Kulturstaatssekretär Tim "Lebenszwerg" Renner zu) scheint mir zuweilen nichts anderes als der Versuch, das in der Breite bei Peymanns geistigen und finanziell minder bemittelten Epigonen und Erben wegbleibende - oder vielleicht auch wegsterbende - Publikum mit manch Firlefanz wieder vor die Bühne zu locken. Irgendwie erinnert das an Narrenmessen, wobei man im Gegensatz dazu Peymanns Pöbeleien à la Rumpelstilzchen echten Unterhaltungswert nicht absprechen mag.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

... auf jeden Fall muss man sich wohl als Kulturbanausen outen, wenn man kein Wort in diesem - sicher höchstkulturellen - Beitrag versteht! ;-)

Andreas hat gesagt…

Tja, so ist das halt im schönen Elfenbeinturm: " ... so sehen wir betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen".

KingBear hat gesagt…

Als studierter Theaterwissenschaftler kann ich mit diesem Beitrag Einiges anfangen... und muss oder darf anmerken, dass Peymann wie Jelinek mir noch nie sonderlich sympathisch waren. Nebenbei bemerkt hat meine allerbeste Freundin mal am BE gearbeitet (als Garderobiere) und hat Herrn Peymann, was seinen Umgang mit dem "nicht-künstlerischen Personal" angeht, mir gegenüber mit einem Begriff charakterisiert, der mit A beginnt und mit ch endet. Mit der Solidarität mit der werktätigen Klasse, die die "Linken" in der Theorie so hoch halten, scheint es in der Praxis nicht so weit her zu sein...

Andreas hat gesagt…

Danke, KingBear, für die Rückmeldung! Das erinnert auch etwas an das hiesige Stadttheater, das sich beständig mit Kapitalismuskritik profiliert. Nicht, daß es da nicht einiges zu kritisieren gäbe - nur hat die Sache dann einen Schönheitsfehler, wenn herauskommt, daß man in der eigenen Hütte fortgesetzt versucht hat, Tarifkräfte im technischen Bereich möglichst durch schlecht bezahlte Handlanger zu ersetzen ...
Früher war ich sehr theaterafin (allerdings mehr in Richtung Musiktheater) ... zwischenzeitlich hat sich das aus verschiedensten Gründen ziemlich verflüchtigt.

clamormeus hat gesagt…

Bin auch gewiß kein Anhänger beider genannter, das vorab.
Zwar hat P. schon recht mit dem "Sprachmüll", aber Frau J. schüttet diesen ja nicht selbst auf der Bühne aus. Die Deponien schaffen selbst an.
Aber die Parallele zur "Narrenmesse" paßt, eine Metaebene bleibt selten allein, am Ende ist halt nichts mehr konkret, was lohnte, und alles "meta", ob in Theater oder Kirche.

Wär/ist aber im Theater leichter und jederzeit zu korrigieren...;-)