Mittwoch, 15. April 2015

Tagessplitter

Ich werfe mal den Namen Bernard Huijbers in den Ring. Klingelts? Ja? Nein? Irgendwie? Irgendwo ist der Name vielleicht schon in den Blick geraten ... zumindest, wenn man sich von Zeit zu Zeit die Angaben zu Verfassern und Komponisten im Gotteslob (ob alt oder neu) zu Gemüt führt - da kommt Huijbers vor: im Doppelpack mit Huub Oosterhuis.
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Ja, genau: mit dem NGL-Ex-Jesuiten-Ex-Priester Oosterhuis, dem Huijbers Melodien geliefert hat, so für die Litanei von der Gegenwart Gottes oder etwa zum Lied Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr. Vor Einführung des neuen Gotteslob brach, wie wir wissen, blankes Entsetzen über Konzilsgeistkatholen herein, alldieweil ruchbar wurde, der Vatikan würde das Oosterhuis'sche Erbe aus dem Buch gebieten und exorzieren wollen. Nun war da nichts dran; mit diesen Liedern kann ich meinesteils auch ganz gut leben. Mir ist zum Beispiel Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr noch allemal lieber als der folgende im traditionsfrohen Lager leider (Leise sinkt der Abend nieder) mitunter sehr beliebte Mist:
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Traulich still vorm Tabernakel
hält die ew'ge Lampe Wacht
und die Engel singen leise:
lieber Heiland, gute Nacht.

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Man kann die Größe und Erhabenheit Gottes und seiner Engel auch mit frömmelnder Rührseligkeit schmälern! Gewiß: Wir singen und beten beständig in Bildern, die dem Angebeteten und Besungenen nicht das Wasser reichen können. Aber es ist eins, zu wagen, was man kann, jedoch ein anderes, sich billiger Banalitäten zu bedienen, welche man beinahe blasphemisch nennen möchte: Gute Nacht, aber echt ...
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Doch zurück zu Oosterhuis, oder besser: zu Huijbers. Der sank heute vor 12 Jahren ins Grab, weswegen ich auf ihn aufmerksam wurde. Und leider gibt es nun doch einen Grund, warum ich zwischenzeitlich absolut dagegen bin, die genannten und sonstige Lieder dieses Duos weiterhin zu singen - zumindest in den Vertonungen von Huijbers. Auch er nämlich hat - weiland Jesuit wie Oosterhuis - seinen Orden verlassen, sein Priestertum aufgegeben und geheiratet. Im Gegensatz zu Oosterhuis (der bis heute gläubiger Christ geblieben) fiel Huijbers (womöglich in den Spuren von Teilhard de Chardin?) nachmals in die totale Apostasie; ein Zitat aus der Wikipedia sagt hierzu mehr als genug: Der spätere ...
... Huijbers konnte sich weder in Texten als Du und Gott noch in biblischen Texten wiederfinden; seine untheistische und unchristliche Spiritualität war von da an geprägt vom All, von der Gänze, dem Sternstaub und dem Bestehen, das alles Leben auf der Erde umfasst. Mit seiner Frau zog er sich nach Südfrankreich zurück, auf einen Bauernhof, den sie Contre l'Église ("Gegen die Kirche") nannten ...
Wir müssen und wollen hoffen, daß Huijbers - Gott allein sieht in die Herzen seiner Kinder und weiß um unser aller zuweilen sehr verworrene Pfade - im Sterben einen gnädigen und liebenden Gott gefunden hat. Aber Hand aufs Herz: Seine Melodien haben angesichts dieser Biographie in einem katholischen Gesangbuch schlicht nichts verloren, wie beliebt sie auch sein mögen. Es sollte fürwahr genug Kirchenmusiker geben, die, wenn's denn sein muß, Oosterhuisens Texte neu vertonen können. Zur Not könnte man auch den Geistbraus (und siehe da) drum bitten ...

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Dem Heiland gute Nacht sagen, das hielt ich immer für ein kindlich-frommes Werk, für das ich einfach zu kalt und lau bin. Aufs besagte Lied kann ich gleichwohl gut und gerne verzichten.

Was Ketzer-Kantaten und das Ärgernis, die auch noch in einem katholischen Gesangbuch zu finden sind, angeht ... da fiel mir zuallererst ein, dass dieser Tage selbst Ordensgemeinschaften von schweren Sündern gegründet werden und erhalten bleiben ... was ist da schon ein Lied?

Nun ja, bevor ich mich weiter ärgere ... singe ich mit den Engeln jetzt mein Gute-Nacht ...

Andreas hat gesagt…

Ja ja, Gott schreibt gerade auch auf krummen Zeilen ... nur lassen sich als alternative Option krumme Melodien leichter ausradieren als Ordensgemeinschaften ... ;-)

Aber offenbar scheine ich aktuell etwas allein zu stehen, wenn ich mich an dem blühenden Unsinn stoße: gute Nacht!

viasvitae hat gesagt…

Zu unsinnigem Liedgut fällt mir sofort die Zeile ein: "Ach ja, Dein Sohn erstanden ist, Halleluja, kein Wunder, dass Du fröhlich bist, Halleluja" Wobei ich sagen muss, dass ich (noch) immer darüber lachen muss. Aber, mal im Ernst, an wie vielen Osterlämmern muss man sich überfressen haben, um so etwas zu dichten? Warum weint Maria nicht mehr? Ach ja, JETZT fällt's mir wieder ein, ihr Sohn ist ja auferstanden... Und über die Theologie der Oosterhuislieder könnte man mal einen Beitrag schreiben... Gute Nacht!

Tarquinius hat gesagt…

Alleine? Nein nein, ich verorte mich da durchaus auf die gleiche Seite. Musikalisch wünsche ich mich regelmäßig in meine alte Heimatgemeinde, um den kruden Tönen und Texten entfliehen zu können ...

Andreas hat gesagt…

Theresia, man muß bei dem von Dir erwähnten Lied (immerhin aus der Feder von Spee) natürlich in Rechnung stellen, daß es sich ursprünglich um Barocklyrik handelt, die - wenngleich sprachlicher etwas geglättet - nicht immer unserem heutigen Sprachgebrauch entspricht. Das "Ach ja" ist mithin weniger im Sinn von, sagen wir mal, "Heureka" zu verstehen, sondern mehr als Affektäußerung im Sinn freudigen Erstaunens ... ;-)

Alleluja!

Andreas hat gesagt…

Tarquinius, Du wissest ja: Die Sache Jesu braucht Begeisterte und das Wichtigste in der Kirche ist die Wandlung ... ;-)

viasvitae hat gesagt…

Du hast mit Deinen philologischen Betrachtungen so Recht, ich muss aber sagen, dass mich die "Heureka"-Interpretation in der Messe auch immer sehr schmunzeln lässt und ich eigentlich froh bin, dass es dieses Lied gibt :)