Samstag, 11. April 2015

Tagessplitter

Es gibt Klappentexte, welche dem Leser - nicht zuletzt bei retrospektiver Lektüre - mehr verraten, als weiland den Verfassern schwanen mochte. Etwa hier beim letzten Satz ... "durch und durch katholisch", Obacht!
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Das Gesagte führt zu einem Musterbeispiel jüngerer Tendenzbelletristik aus dem kirchlichen Bereich; nach 30 Seiten mag ich dem Werk einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen, selbst wenn dem Ganzen ein Wort des ehemaligen Jesuitengenerals Arrupe als Motto vorangestellt ist. So recht froh wird man über der Lektüre trotz all' gaudium et spes jedoch keineswegs; mehr noch zwischen als in den Zeilen glaubt man aber einiges über die Zeit vor 50 Jahren und deren Geist zu erfahren:
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Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Mir scheint da neben dem Klappentext auch ein gewisser Buchdeckelschwindel vorzuliegen ... denn mit römischem Hut und Kragen kam das Konzil glaub ich noch in keiner Ortschaft an.

Und nebenbei bemerkt wird mir beim Lesen einer Kurzbio über Hw. Schiffers schon ganz anders. Laut einer solchen konzilierte der Pfarrer nicht nur fleißig Dörfer, sondern "begegnete" dem Islam schon vor 30 Jahren. Da weißte Bescheid!

Andreas hat gesagt…

Na ja, ich habe jetzt auch mal ein paar Links abgerufen; offenbar war er zeitweilig auch im nahen Osten aktiv - das kann dann schnell zu "Begegnung" umdefiniert werden. Vermuten wir mal das Beste davon und möge Gott ihm Frieden schenken.

PS Ich bin mir nicht ganz sicher, aber Flandern, wo der Roman spielt, könnten diese Hüte getragen worden sein ... ;-)

Frank hat gesagt…

Nach "dem" Konzil hat man da ganz besonders schnell alles abgeschafft.

Andreas hat gesagt…

Mag sein, aber im Buch kommt Das Konzil jetzt erst ins Dorf ... ;-)

Anonym hat gesagt…

Kenne das Buch, hab's als Jugendlicher vor 30 Jahren in der (damals noch nicht aufgelassenen) Bibliothek meiner Heimatpfarre gelesen. Kam mir schon damals etwas naiv vor, war aber für ein bestimmtes Zeitfenster der 60er- und frühen 70er-Jahre repräsentativ. Später ist mir dann aufgegangen, dass ich eine Manifestation des berühmten "Konzilsgeistes" in Händen gehalten hatte. Der Text ist naiver Begeisterung für die Auswirkungen "des Konzils" voll, ohne jedoch die Texte gelesen zu haben (dazu wird auch im Buch nicht ermuntert; "das Konzil" wird vom modernen Kaplan der Pfarre verkörpert; ubi capellanus, ibi concilium). Die Konsequenzen der nachkonziliären Entwicklung zu bedenken, fehlte dem Autor entweder der Weitblick - oder "die Traute".

Zwetschgenkrampus

Andreas hat gesagt…

Nach der bisherigen Lektüre würde ich damit weitestgehend übereinstimmen - nur den (sanften?) Vorwurf, die Konsequenzen der nachkonziliaren Entwicklung seien nicht bedacht worden, würde ich dämpfen wollen - die müssen damals tatsächlich so auf Drogen gewesen sein, daß das Ausbleiben des beschworenen "Neuen Pfingsten" schlicht unvorstellbar schien ... ;-)

Und generell gilt natürlich pro reo, daß man heute aus der zeitlichen Distanz das ganze Gedöns, welches um Das Konzil damals veranstaltet wurde, in seiner Tragweite und Tragik besser überblicken kann.