Montag, 6. April 2015

Tagessplitter

Zuweilen fühle ich mich fortgesetzten Aprilscherzen ausgesetzt, sobald ich die Nase in jüngere liturgiewissenschaftliche Publikationen halte; gerade vorher wieder ... da kam mir online ein Vorwort unserer Tage zu einer Studienausgabe von Pius Parschens Werk Das Jahr des Heiles unter, vor Das Konzil ein sehr verbreitetes Werk zur Erläuterung des Kirchenjahres und seiner Meßtexte. Das Vorwort kommt, wenig verwunderlich, nicht umhin, das Lob der Liturgierumform anzustimmen:
Dennoch hat die Liturgiereform auch beim Kirchenjahr Strukturbereinigungen vorgenommen, die eine zuvor ungeahnte Klarheit geschaffen haben. Die wöchentliche und jährliche Feier des Paschamysteriums Christi steht nun wieder tatsächlich im Zentrum der Liturgie ...
... und wird, so möchte man ergänzen, nur durch allerhand Sonntage mit Sonderthemen und special events verdunkelt, deren Inflation (Familie, Medien, Weltmission, Caritas und was immer sonst noch gerne abgefeiert wird) die zuletzt vor Das Konzil vorhandene Überlagerung eines Sonntags durch ein Herren- und Heiligenfest locker in den Schatten stellen kann. Die zentrale Stellung des Paschamysteriums ist mir heute (Ostermontag) beim Besuch der verneuerten leiturgía wieder nachhaltig deutlich geworden: Keine Ostersequenz mehr, auch das Credo ist gestrichen.
Der Kalender wurde nicht nur durch die Vereinfachung des komplizierten Regelwerks zur Bewältigung der Hierarchie liturgischer Tage in der vorkonziliaren Liturgie, sondern auch durch die Abschaffung von Kommemorationen entlastet, vor allem aber durch die Erstellung einer Rangordnung, welche den Sonntag als "Ur-Feiertag" (SC 106) schützen und die Priorität der "eigentlichen Heils-Mysterien"gegenüber den Heiligenfeiern zurückdrängen ...
... bla bla bla. Die hochgelobte neue "Rangordnung" führte mich weiland etwa bei der musikalischen Vorbereitung eines Antwortpsalms dahin, daß der Zelebrant kurz vor der Messe mit einer ganz anderen Option, einem anderen Meßformular, einer fakultativen Lesung oder schlicht einem selbstgereimten Furz daherkam. Gott sei Dank habe ich als Organist mit der verneuerten Form zwischenzeitlich kaum noch etwas zu schaffen und bin des Chaos ledig.
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Was nun aber die Priorität der "eigentlichen Heilsmysterien" betrifft: Selten so gelacht bei vielen ohne zelebratös besonders antrainiertem Mummenschanz (vor das Beten scheint mir mitunter die praktische Rhetorik getreten) oft flach und geschwätzig wirkenden Gottesdiensten. Meine traditionsfrohen Mit-Molche schieben Odo Casel ja gerne eine Mitschuld an der Liturgierumform in die Schuhe. Ich meinesteils kann zwischenzeitlich sagen, daß ich die "ordentlicheform" (Benedikt XVI. hat unzweifelhaft einen sehr feinen Humor!) je weniger leiden und ausstehen kann, ja mehr ich in die Gedankenwelt Casels vorstoße.

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