Samstag, 4. April 2015

Tagesplitter

Nun war ich wieder drauf und dran, die Osterbeichte ... ja, nicht auf St. Nimmerlein, aber doch auf irgendwann später (also irgendwann nach Himmelfahrt oder so) zu ver- und vor mir herzuschieben. Ich gestehe: Dem heiligen Mysterium des Bekennens und der Vergebung unterziehe ich mich eher zu selten als zu oft und im Vorfeld nur mit jenem inneren Schweinehund, der dem trägen Herzen allerhand Gründe vorspiegelt, warum man ruhig noch ein wenig damit warten könne.
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Im Lauf des Vormittags habe ich mir dann das Herz gefasst und erforscht (auch, wo die nächste Beichtgelegenheit bestehe) und bin am späteren Nachmittag ins Münster gegangen. 
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Für Menschen wie mich, die von Zeit zu Zeit im Guten wie im Bösen einer klaren Ansage bedürfen, ist Beichten eigentlich eine wunderbare Sache. In eine Barmherzigkeit Gottes allein nur vertrauen zu können, daß die schon alle Sünden zudecken werde, wäre mir nicht hilfreich genug; denn Glauben ist ohnehin schon ein Wagnis und mein Credo ein zuweilen ins Dunkle gesprochene Wort. Den Dreck, den ich in meinem Leben immer wieder hervorbringe, diesen Schmutz und diese Sünden, das alles würde ich deswegen ungern nur von mutmaßlich frommen Anwandlungen und Gefühlen, denen ich letztlich nicht über den Weg traue, übersiegt sehen oder übersiegt glauben: Nein! Ich brauche das Wort das Priesters, das Urteil der Ekklesia, welches mir sagt: Ich vergebe dir deine Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!
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Erst mit dieser Versicherung im Rücken kann ich (auch mit mir selbst) versöhnt auf das Leben zurückblicken. Während ich heute vor dem Beichtstuhl wartete, versuchte ich meinen Geist mit einigen Versen bei der Sache zu halten. Dabei fiel mir auch der Anfang einer Liedparaphrase zum 138. Psalm ein:
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Herr, dir ist nichts verborgen; du schaust mein Wesen ganz.
Das Gestern, Heut und Morgen wird hell in deinem Glanz ...
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Meine Schuld steht vor Gott; das Licht aber, das darauf geworfen wird, rührt aus seiner Herrlichkeit - im Glanz Gottes sehe ich mein Versagen und mein Bekenntnis, sehe aber auch die alles verwandelnde und in neue Herrlichkeit kehrende und einsetzende Liebe, mit der Gott mir wieder entgegenkommt, gestern, heute, morgen: O glückliche Schuld!

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