Mittwoch, 1. April 2015

Neues aus der Pastoraltheologie (bei der Konkurrenz)

Zuweilen rauscht Bemerkenswertes im reformfroh-linkskatholischen Blätterwald ... zum Beispiel die Nachricht, daß man sich in alt- und christkatholischen Gemeinschaften aktuell Gedanken macht, inwieweit man konservativen, aber unzufriedenen römisch-katholischen Gläubigen eine Heimat bieten könnte. Zumindest erörtert eine Theologenkomission am Ignaz-von-Döllinger-Institut für christkatholische Pastoraltheologie (Bern) Möglichkeiten, ob eine "Integration traditionsbewußter römisch-katholischer Christinnen und Christen in die Strukturen der Kirchen der Utrechter Union" möglich sei und wie eine solche gestaltet werden könne. 
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Solche Überlegungen kann man sich ruhig einmal zu Gemüte führen (und drüber lächeln), aber dem Theologen Prof. Dr. Hansruedi Buser-Gmür, seines Zeichens Mitglied in besagtem think tank, scheint die Frage sehr ernst zu sein. Ich habe hier einige signifikante Zitate zusammengetragen:
... Natürlich verstehen sich altkatholische Gemeinden bislang eher als Alternative für jene römischen Katholiken, die mit dem Reformstau ihrer Kirche nicht einverstanden sind. Man denke an Fragen ... wie die Zulassungen von Frauen zu allen Ämtern der Kirche oder die Freiwilligkeit des Zölibat, Fragen, auf welche Rom zumindest in absehbarer Zeit vermutlich keine neuen Antworten geben wird. Aber man darf nun das Charisma unserer Gemeinden und deren missionarisches Potential nicht auf diesen Punkt reduzieren und verengen. Ganz im Gegenteil: Wegen des viel weiter zu fassenden Charismas ist die Frage völlig legitim, ob man nicht eine neue Offenheit für traditionelle Formen des römischen Katholizismus entwickeln und realisieren kann ...
... und ich möchte deshalb die etwas ketzerische Frage stellen, ob wir als Altkatholiken eigentlich päpstlicher sein sollten als der Papst? Ich denke da ... an Papst Benedikt, der für übertrittsbereits Anglikaner eine Personalprälatur geschaffen hat, die es diesen Gläubigen erlaubt, einen sehr großen Teil ihrer anglikanischen Traditionen in die Einheit mit Rom einzubringen und zu vertiefen und weiter nach Maßstäben ihrer ursprünglichen Verortung zu leben. Sollte es da der altkatholischen Gemeinschaft nicht möglich sein, römischen Katholiken aus einem konservativen Milieu mit einer ähnlichen Willkommenkultur zu begegnen und ihnen innerhalb unserer kirchlichen Struktur die Möglichkeit und das Recht einzuräumen, den einen, katholischen und apostolischen Glauben in ihren Formen zu leben? ...
... und so wäre es vorstellbar, daß unsere Gemeinden diesen Katholiken erst einmal eine Art Gastrecht gewähren. Zumal trotz vordergründiger Divergenzen eine gemeinsame Wurzel vorhanden sein dürfte: die Zurückhaltung gegenüber römischen Kursbestimmungen. Warum sollten sich Christinnen und Christen nicht in unsere Gemeinschaft einbringen können, deren Glaubenbiographie sich aus der Verpflichtung einem "ewigen Rom" gegenüber speist, um mit einem Schlagwort aus dem Umfeld der Priesterbrüder St. Pius [sic!] zugestandenermaßen weit auszuholen? ...
... Natürlich würde zuerst einmal viel parallel laufen: Wer heute die sogenannte "tridentinische" Messe besucht, wird sich mit einer altkatholischen Eucharistiefeier, der eine Priesterin vorsteht, schwer tun. Hier müssten pastorale Alternativen entwickelt werden, die auch die Grenzen der gemeinsamen Katholizität respektieren. Freilich sollten wir auch auf die Geistkraft Gottes bauen, die zusammenführen und Communio stiften kann, wenn wir ihr Raum geben ...
... wir Altkatholiken sollten uns daran erinnern, daß die "tridentinische" Messe anfänglich auch Bestandteil unseres reformierten Charismas gewesen ist und diese Liturgie annähernd unverändert, wenngleich in der Landessprache, über eine lange Zeit in altkatholischen Kirchen gefeiert worden ist. Für unsere Gemeinden kann das also auch ein "Zurück zu den Quellen" bedeuten ...
... Ich würde darin die Chance sehen, diese Gläubigen mit unserer Katholizität einholen zu können und zugleich in unserer Katholizität durch die reichen spirituellen Gaben, die Charismen, die sie zu uns bringen, selbst zu wachsen.
Soweit diese kleine Blütenlese. Wer sich die gesamten Ausführungen zu Gemüte führen möchte, der klicke hier hin.

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