Donnerstag, 2. April 2015

Fulget crucis mysterium! (4) - Die Ekklesia als Braut im Blute des Kyrios

Abendmahl - Mulhouse, Pfarrkirche Saint-Étienne
Der Logos aber wurde Mensch für seine Braut, die Kirche, und für jede Seele. Er ist der Blutbräutigam. Was er tut, tut er für seine Braut. "Christus liebte seine Kirche und gab sich selbst für sie dahin" (Eph 5, 25). Das Kreuz trug das "talentum mundi - den Loskaufpreis der Welt" (siehe erste Magnificat-Antiphon an den Kreuzfesten), das Brautkaufgeld, das Lösegeld der gefangenen Braut. So schuf der Herr sich am Kreuze die Braut aus seinem Blute.
Odo Casel OSB
 Aber damit noch nicht genug! Das Kreuz war auch die blutige Lagerstatt, auf der er sich mit der Kirche vermählte, wie es im Hohenliede heißt (3, 10): Die Mitte (seines Lagers) schmückte er mit der Liebe zu den Töchtern Jersusalems". Die Dornenkrone ist zugleich der Brautkranz dieses Bräutigams: "Gehet hinaus und sehet, ihr Töchter Sions, den König Salomon in seinem Diadem, mit dem ihn seine Mutter (d. i. die Synagoge) geschmückt hat am Tage seiner Vermählung" (ebd. 11; Vulgata). Das Blut, das aus seinem Haupte, aus seinen Händen und Füßen, aus seiner Seite quillt, ist der Purpur des Hochzeitsgewandes. Denn durch dieses Blut hat er sich die Braut zu eigen erworben. Aus diesem Blute entsprang das Pneuma, mit dem er seine Braut erfüllte und sie sich zum Weibe machte. "Pneuma und Wasser und Blut, diese drei sind eins" (1 Joh 5, 8), eins im Mysterium des Kreuzes als der mystischen Vermählung Christi und der Kirche.
Sterbend hat Christus der Kirche sein Leben gegeben, sein Herzblut in sie überströmen lassen. Mit dem Wasser hat er sie gewaschen, mit dem Blute belebt und genährt. Jetzt leben beide von einem Leben, von einem Blute. Sie ist "concorporea" Christi, ihm einverleibt, "consanguinea" Christi, ihm blutsverwandt, und wird deshalb sein Leib genannt. Das Mysterium der Heilstat Christi gipfelt in dieser Kreuzeshochzeit. Fulget crucis mysterium!
Blut und Wasser rannen vom Kreuze herab aus dem Herzen des Gottmenschen. Aus dieser Quelle strömten die Mysterien der Kirche, die sie in der heiligen Liturgie feiert. Denn der Herr wollte sein Blut und die Kraft seines Blutes beständig der Kirche zur Verfügung stellen. Deshalb hat er Wasser, Brot, Wein und Öl der sichtbaren Kreatur entnommen, so wie er seinen Leib aus der Jungfrau nahm, und sie zu heiligen Symbolen seiner selbst gemacht. Durch sie spendet er uns seine Gnade, die Gnade seines Kreuzes.
Das Wasser erfüllte er mit seiner Gotteskraft, so daß wir in ihm an seinem Tode teilnehmen können. Die Braut steigt mit ihm in das Brautbad der Taufe und wird rein durch die mystische Teilnahme an seinem Tode. Brot und Wein werden sein gemarteter Leib und sein ausgegossenes Blut; von ihm ißt und trinkt die Braut und wird so voll von seiner Leidensfrucht; ja indem sie das heilige Mahl begeht, opfert sie sich selbst in Kraft seines Leibes und Blutes. Im heiligen Öle wird sie gesalbt mit seiner Kraft, die aus seinem Leiden hervorging.
So strömt alles Leben der Kirche aus dem Blute des Herrn, aus dem Kreuze. Das Kreuz ist Ursprung aller Mysterien der kirchlichen Liturgie. Leo der Große sagt im achten Sermo (59, 7) über das Leiden des Herrn: "Dein Kreuz ist die Quelle aller Segnungen, die Ursache aller Gnaden", in ihm sind alle Mysterien vollendet.
Odo Casel in einer Ansprache am Fest Kreuzerhöhung 1927 - in: Odo Casel: Mysterium des Kreuzes. Paderborn o.J. [nach 1954]. S. 29 f. Im Bild: Das Herrenmahl - Glasfenster der Pfarrkirche Saint-Étienne zu Mulhouse im Elsass.

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