Donnerstag, 16. April 2015

Das Kreuz als Tor zum Leben beim Vater - Die selige Pentekoste (2)

Odo Casel OSB
Pascha ist demnach das glorreiche Eingangstor zum Leben bei Gott und in Gott. Christus ist dabei unser Führer und unser Modell, unser Wegweiser und zugleich unsere Kraftquelle: "So rechnet auch ihr, daß ihr seid: tot für die Sünde, lebend aber für Gott in Christus Jesus" (Röm 6, 11). Das Pascha des Herrn wird zu unserem Pascha, und das ewige Leben des auferstandenen Herrn wird unser Leben. Durch den Glauben schreiten wir hinein in die Mysterien Christi, und durch die Teilnahme an diesen nehmen wir als Christi Glieder auch teil an allem, was unser Herr unseretwegen erlitt und erlebte. Deshalb sagt der heilige Gaudentius von Brescia in seiner Osterpredigt (Tractatus paschalis III, 7): 
"Wenn ich Ostern den Geburtstag der erneuerten Welt nenne, so meine ich damit unseren Geburtstag; denn wir sind in Christus wiedergeboren, wir, die wir vorher für die Sünde lebten, für die Gerechtigkeit aber tot waren. Jetzt aber sind wir der Bosheit der früheren Sünden gestorben und leben für Gott, da wir gleichgestaltet wurden zuerst dem Tode, dann der Auferstehung Christi. Mitbegraben wurden wir ja mit ihm durch die Taufe im Tode, damit, wie Christus von den Toten auferstand, so auch wir in der Neuheit des Lebens wandelten, indem wir das Fest feiern und uns rühmen im Kreuze des Herrn Jesus Christus".
Auf der Gnade des Herrn also, auf der Teilnahme am Leben des Verklärten baut unser neues Leben in Heiligkeit und Gerechtigkeit sich auf, in einer Gerechtigkeit, die wir selbst uns nicht gegeben haben, die ein Gnadengeschenk Gottes ist, die sich aber in uns lebendig betätigen will. So ist das neue Leben Christi in uns reine Gottesgabe und zugleich unser Eigentum: "Feget den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seiet, wie ihr ja auch ungesäuert seid; denn unser Pascha wurde geschlachtet: Christus. Deshalb wollen wir feiern, nicht im alten Sauerteig, nicht im Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern in dem Ungesäuerten der Reinheit und Wahrheit" (1 Kor 5, 7 f.).
Odo Casel: Mysterium des Kreuzes. Paderborn o.J. [nach 1954]. S. 226.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Nebenbei bemerkt versucht mich aktuelle Serie doch stark, mir auch meinen ersten Casel zuzulegen ...

Andreas hat gesagt…

Also das würde ich Dir nun gewiß nicht ausreden wollen ... :-)