Dienstag, 14. April 2015

Das Kreuz als Tor zum Leben beim Vater - Die selige Pentekoste (1)

Odo Casel OSB
Das heilige Pascha im Sinne der ältesten christlichen Liturgie, d. h. die Osternachtwache ist ein "Übergang": "est enim Phase, id est transitus Domini" (Ex 12, 11). Nach dem hebräischen Urtext war es das Vorübergehen des Engels des Herrn, der die Erstgeburt der Ägypter schlug, an dem mit dem Blute des Lammes bestrichenen Türpfosten der Israeliten. Indem dieses "Vorübergehen" dem Passafest der Juden den Namen gab, bezeichnete Pascha den Übergang aus dem Lande der Knechtschaft, Ägypten, ins Gelobte Land Gottes, der Freiheit und des Gottesbundes. Der Evangelist Johannes gab dem Worte seinen neutestamentlichen Sinn, indem er schrieb: "Vor dem Paschafeste, da Jesus wußte, daß seine Stunde gekommen war, daß er von dieser Welt zum Vater hinübergehe, da zeigte er, der die Seinigen, die in der Welt sind, mit Agape umfing, ihnen seine Agape bis zum Letzten" (Joh 13, 1).
Das christliche Pascha ist also das Hinübergehen von dieser Welt, diesem Aion, diesem Ort der Finsternis und Sünde, zum Vater, d. h. zum Leben Gottes, zum ewigen Leben, zunächst für den Herrn selbst, dann aber auch für alle, die ihm nachfolgen. Pascha ist das Kreuz.
Denn das Kreuz ist die große Wegscheide, die nach zwei Seiten blickt: nach der Tötung des Fleisches der Sünde und nach dem Triumph des göttlichen Lebens. Ziel des Überganges ist das Leben beim Vater. Paulus sagt dasselbe mit anderen Worten: "Wir wissen, daß der von den Toten erweckte Christus nicht mehr stirbt, der Tod keine Herrschaft mehr über ihn hat. Denn wenn er starb, so starb er ein für allemal der Sünde; wenn er aber lebt, lebt er für Gott" (Röm 6, 9 ff.). Das Wort "ein für allemal" bezeichnet den Grenzübertritt des Pascha, das Hinübergehen aus dem Reich der Sünde durch den Kreuzestod zum wahren Leben.
Odo Casel: Mysterium des Kreuzes. Paderborn o.J. [nach 1954]. S. 225.

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