Mittwoch, 22. April 2015

Das ewige Ostern

Vor rund zweieinhalb Wochen feierten wir die Auferstehung des Kyrios ... nach der Messe am Ostermontag bei den Benediktinerinnen von der hl. Lioba hier in Freiburg hörte ich die Mutter Priorin zu einer Besucherin sagen: "Und jetzt jubeln wir sieben Wochen!". Sieben Wochen jubeln ... tun wir das? Oder ist die Osterfreude nicht bereits wieder in den Alltag abgesunken, mehr und mehr überwuchert vom Einerlei der Zeit?
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"Die Pentekoste ... die Fünfzig-Tage-Zeit zwischen Pascha und Pfingsten", schreibt Odo Casel, "galt in der alten Kirche als das Osterfest". Und: "Die Grundidee der alten Pentekoste besteht auch heute noch; denn sie ist auf der Schrift und der Tradition der Kirche begründet". Und weiter:
Die heilige Pentekoste, die aus dem Pascha, dem Kreuze hervorblüht, ist für immer das Kultmysterium der Erlösung und Erhöhung ... es ist eine Zeit beständigen Jubels und heiliger Freude, ein ununterbrochenes Alleluja. Die Pentekoste ist das liturgische Symbol der Vollendung der Kirche im Reiche Christi, ihrer ewigen Ruhe in Gott, die dann vollkommen ist, wenn alle Auserwählten durch das Kreuz hindurch sich zum Leben in Gott durchgekämpft haben werden. Im Mysterium ist die Pentekoste schon der dem Volke Gottes versprochene Sabbat, die Verklärung in der ewigen Agape, wenn die ganze erlöste Gottesgemeinde ein Opfer für Gott geworden ist und, von aller Sünde gereinigt, ... ewig in den Armen des Vaters ruht ...
Wissen wir noch davon, jetzt, zweieinhalb Wochen nach Ostern? Zudem mag man darauf hinweisen, daß wir uns in der Quadragesima womöglich intensiv auf das Pascha vorbereitet haben, die Pentekoste nunmehr aber durcheilen wie jede andere Zeit im Jahr. Also nochmals gefragt: Wie sehr prägt die österliche Freude jetzt unsere Tage?
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Auch ist bereits angeklungen, daß wir die Pentekoste in diesem Aion wesentlich als Kultmysterium in der Feier der Leiturgía begehen, verborgen unter den Zeichen dieser Schöpfung, ehe sie offenbar wird im kommenden Aion als die ewige Leiturgía des Himmels: Von der "Woche der Zukunft" singt das Stundengebet der Orientalischen Kirche und deutet damit auf die Osterwoche, die mithin nicht diesem Aion zugehörig geschaut, sondern dem kommenden zugerechnet wird, eine unserer Zeitlichkeit quasi enthobene Spanne, ein Einströmen der Ewigkeit in die Zeit. Daher wird der Sonntag nach Ostern, bezogen auf den gewärtigen Aion, zum "ersten" Tag üblicher Zählung:
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Der erste, der König der Tage, ist dieser lichtbringende Tag.
So ziemet es sich, daß juble an ihm das neue, heilige Volk.
Denn zitternd trägt er auch der Ewigkeit Zeichen,
da er vollendet die Woche der Zukunft.
Der Väter und unser erhabener Gott,
gepriesen bist du.
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Aus der siebten Ode des Kanon des Johannes Monachus (Johannes von Damaskus), Morgengebet am Neuen Sonntag (Sonntag des hl. Thomas).
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Wir haben also allen Grund, im siebenfältigen Wochenkreis der seligen Pentekoste zu jubilieren und die Osterfreude nicht vom Alltag und seinen Geschäften überstimmen zu lassen, denn sie ist der Vorklang des großen Festes kommender Herrlichkeit. Origenes sagt hierüber:
Jedes wahre Fest des Kyrios - und ein solches ist das Pascha - wird nicht in diesem Aion, noch auf der Erde, sondern im kommenden Aion im Himmel, wenn das Himmelreich hereinbricht, voll gefeiert werden - Symbole sind dies der großen Festfeier, die in der künftigen Welt hinterlegt ist (Hom. 12 in Jer,).
Die Auferstehung zu ewigem Leben, die wir in diesen Tagen unter heiligen Zeichen im Glauben feiern, schenke uns der Kyrios Jesus Christus im Pascha zu kommender Herrlichkeit: Ehre sei ihm!
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 Casels Ausführungen sind entnommen dem Text Das Kreuz als Tor zum Leben beim Vater - Die selige Pentekoste in: Odo Casel: Mysterium des Kreuzes. Paderborn o.J. [nach 1954]. S. 227 und 232; das Zitat aus dem orientalischen Stundengebet dem Band von Kilian Kirchhoff OFM: Osterjubel der Ostkirche. Erster Teil des Pentekostarion. Münster o.J. [nach 1940]. S. 49.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Ich danke für diesen Gedanken. Gerade, wenn ich mich selbst so höre, wie ... ähm ... überschwänglich ich da täglich so meine Allelujas rezitieren ...

martina hat gesagt…

"Und jetzt jubeln wir sieben Wochen!"
Alleluja!

viasvitae hat gesagt…

Du sprichst mir aus der Seele! Genau dieser (also fast genau dieser ;) ) Beitrag brannte mir auch schon die ganze Zeit unter den Fingernägeln.