Samstag, 18. April 2015

Besinnungslos bedingungslos

So ganz uneingeschränkt "bedingungslos", wie einige Weichmacher des Euangélion zuweilen glauben machen, scheint mir die Barmherzigkeit Gottes dann doch nicht zu sein. Der folgende Vers aus dem Magnificat legt zumindest etwas anderes nahe:
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Et misericordia eius a progenie in progenies *
timentibus eum.
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Seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht *
über denen, die Ehrfurcht ihm bezeigen.
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Zumindest auf Dauer scheint sie an gewisse Bedingungen geknüpft ... 
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Nun mag sich mancher wundern, warum ich in letzter Zeit wiederholt so finster und hölzern auf dem Thema Barmherzigkeit herumreite und mich dabei an der Behauptung einer "bedingungslosen Barmherzigkeit" abzuarbeiten scheine ... das liegt vielleicht ein wenig daran, weil sich dieses Gewäsch heute einerseits allzu oft restlos unhinterfragt durch die Verkündigung zieht, ich andererseits unterstelle, daß sich mancher "Seelsorger" damit bequem das Problem vom Leib hält, sich pastoral der Sünde und dem Sünder ehrlich zu stellen, und ich - nicht zuletzt sei das gesagt - eine Barmherzigkeit ohnehin nicht leichtfertig "bedingungslos" nennen kann, derentwegen jemand am Kreuz gestorben ist.

Kommentare:

Eugenie Roth hat gesagt…

Antwort aus der Bibel: http://eugenieroth.blogspot.de/2010/07/ist-gott-barmherzig-oder-gerecht-oder.html

... immer die gleichen Fragen ...

Tarquinius hat gesagt…

Da tut wohl bei so manch einem ein spiritual care-Kurs not!

Anonym hat gesagt…

Die Bedingungen, die die römisch katholische Kirche zur Erlangung der ewigen Seligkeit stellt, sind in deren Katechismus in fast dreitausend Paragrafen auf über achthundert Seiten festgehalten. So einfach kann das sein. Und so unmöglich.

Andreas hat gesagt…

Hach, ich liebe anonyme Kommentare! Zum Beispiel solche, die zwar das Thema meiden, aber die Gelegenheit nicht verstreichen lassen wollen, ihren üblichen Behauptungsmüll hier abzuladen ... Tipp: Machen Sie sich mit Sinn und Funktion von Katechismen vertraut.

Am Rande ... Ob Sie wohl, wenn Sie irgendwo zum Essen eingeladen sind, im Gästebuch ebenfalls verbiesterte Zeilen hinterlassen, etwa "Die Fließen auf dem Klo sind echt häßlich" ... oder sowas in der Art?

Sei's drum: Zur Beruhigung aller nunmehr angefochtenen Gemüter - nach tausenden Paragraphen und hunderten Seiten gilt noch immer Hebr 11, 6.

Eugenie Roth hat gesagt…

(DAS war eine gute Antwort!)

F. M. hat gesagt…

@Andreas

Der anonyme Beitrag ist durch einen Fehler meinersits entstanden. Ich bitte dafür tausendmal um Vergebung.

Aber "Behauptungsmüll" zu unterstellen, nur weil ich den Umfang des Katechismus der katholischen Kirche anspreche, ach du lieber Gott, wozu denn das?

Und was das Gästebuch angeht, wenn die Fliesen im Bad wirklich hässlich sind? Und die Gastgeber mir dreitausend Verhaltensregeln aufs Auge drücken?

Und was den Umfang und die Widersprüchlichkeit der Bibel angeht, scheinen Sie ja Bescheid zu wissen.

Andreas hat gesagt…

Lieber F.M. - selbst wenn die Gastgeber zu wünschen übrig ließen, würde ich mich im Gästebuch nicht über die Fließen im Bad auslassen ... aber wir reden hier von der Ekklesia, die - Gott sei's gedankt - uns die Heilige Schrift interpretiert! Zählen Sie nicht die Seiten im Katechismus: Ihr guter Wille zählt nämlich mehr.

Aber ich ahne schon, daß Sie diese Antwort unbefriedigend finden werden. Wetten?

F. M. hat gesagt…

Ich glaube gerade die Auslegung der Heiligen Schrift der Christenheit, in Konkurrenz zu manch anderer Heiligen Schrift, wie zum Beispiel dem Koran, hat bisher für einigen Unfrieden in der Welt gesorgt.

Und um auf den Kern der Sache zu kommen, die Bibel wird, wie Koran, Thora, Mitzwot und Co ziemlich überbewertet.
Wie übrigens auch die Fliesen im Gästeklo.

Weder aus dem einen, noch aus dem anderen, lassen sich ohne Rosinenpickerei moralische Leitlinien erstellen. Erst die Rosinenpickerei, Sie nennen es Auslegung, macht das Ganze heutzutage handhabbar. Und zum casus belli für viele, viele Gläubige. Nicht nur erst beginnend mit Luther gegen Eck und folgende.

Deswegen empfehle ich statt diesen grandiosen Mythen Bibel (oder Koran, oder Thora, etc) doch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als Basis für den Umgang miteinander. Einfacher gesagt, was du nicht willst, dass man dir tu, Sie wissen schon.

Andreas hat gesagt…

Lieber F.M. - glauben Sie mir: Auch über den Satz "Was man du nicht willst" würden die Menschen irgendwann die Köpfe einschlagen. Das Problem scheint mir weniger in als heilig erachteten Schriften zu liegen als vielmehr in der conditio humana (wofür freilich die Bibel ein Deutungsmuster bereithält).

Natürlich hauen sich manche Menschen der Religion wegen die Birne ein; andere Menschen wieder tun es ganz anderer Sachen wegen nicht, weil es die Religion verbietet. Sie sehen: Der Januskopf von Tun und Lassen ist aller Geschichte, aller Gläubigkeit, allen Ismen und jedem Menschen gegenwärtig.

Hier setzt der Versuch an, diese sehr widersprüchliche Phänomenologie zu transzendieren und in eine umfassende Antwort und Verheißung aufzulösen: ein Urgrund des Religiösen.