Samstag, 28. März 2015

Zum Todestag von Odo Casel

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Heute vor 67 Jahren, am 28. März 1948, verstarb Odo Casel OSB in der Frühe des hohen Ostertags in der Abtei vom Heiligen Kreuz zu Herstelle. Aus dem Reichtum seines Erbes habe ich zu seinem Gedächtnis eine Stelle aus dessen Schrift Das christliche Kultmysterium herausgesucht, welche - wie ich denke - den Kern der caselschen Mysterientheologie recht gut zur Sprache bringt:
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Odo Casel OSB
... Das versprochene "Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Weltzeit" (Mt 28, 20) sollte sich nicht bloß moralisch oder durch geistigen Gnadenschutz erfüllen, sondern in einer der Menschennatur angepaßten konkreten und doch geisterfüllten Gegenständlichkeit. Deshalb hinterließ der Herr der Kirche nicht bloß den Glauben und sein Pneuma, sondern auch die Mysterien Christi; oder vielmehr das Glaubens- und Gnadenleben sollte in gemeinsamer Mysterienfeier der Kirche stets neuen Antrieb und Ausdruck finden. Da sollte sich das Wort: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen" (Mt 18, 20) ganz wörtlich erfüllen.
Deshalb setzte der Herr als letzte Tat seines Lebens in diesem Aion das Mysterium ein. Am Abend des Verrates, am Vorabend seines Leidens, aber auch im Vertrauen auf den Sieg gehorsamer Hingabe an den Vater übergab er seinen Jüngern die mystische Begehung seiner Erlösungstat: "tradidit discipulis corporis et sanguinis sui mysteria celebranda" ("Er übergab seinen Jüngern die Mysterienfeier seines Leibes und Blutes" - Römischer Meßkanon am Gründonnerstag). Das Brot wird zum Leibe Christi; der Weinkelch ist das Blut Christi; der Leib wird hingegeben, geopfert, das Blut fließt als Opferblut des Neuen Bundes - deutlich ist damit der Tod des Herrn symbolisch-wirklich hingestellt.
Das mystische Brot und der mystische Wein aber werden zugleich zur Speise und zum Trank des Lebens - Leben aber kann nur aus jenem Tode hervorgehen, der zur Auferstehung führt. Auch die Aufforderung "Tut dies zu meinem Gedächtnis" zeigt, daß der Herr nicht für immer stirbt, sondern weiterlebt. So mischen sich in diesem Mysterium wunderbar Tod und Leben, Leid und Seligkeit, irdischer Leidenskelch und himmlischer Wonnetrank. Durch den Tod für diesen Aion führt es hinüber zum ewigen Heil und den Gütern des kommenden Aions.
Diesen heiligen Ritus von göttlicher Inhaltsfülle aber sollen die Jünger "zum Gedächtnis tun", sie sollen so die Passion ihres Meisters mystisch immer wieder Wirklichkeit werden lassen, damit, wie die Kirche aus dem Blute ihres Herrn entsproß, so sie aus seiner Kraft immer lebe und wachse. Täglich will er, der doch im Himmel beim Vater thront, mit ihr, die noch auf Erden kämpft und leidet, in mystisch-symbolischer Feier und Gnadenwirklichkeit sich opfern, mit ihr der Welt und der Sünde sterben und so sie zu einem neuen Leben in und mit Gott auferwecken.
Er hat der Kirche sein Mysterium anvertraut; sie begeht es und vollzieht dadurch seine Tat, die nun ihre Tat wird. So werden Christus und die Ekklesia eins im selben Handeln und Leben; das Mysterium wird zum neuen, ewigen Bunde.

Odo Casel OSB: Das christliche Kultmysterium. Regensburg (2) 1935. S. 110 f.

Kommentare:

Martina Baro hat gesagt…

Und wer soll das heutzutage verstehen? Die Art von Glaubensverkündigung känste knicken, Kollech...

Andreas hat gesagt…

... aber dann stampfen auch gleich 80 Prozent Kirchenväterliteratur und einen Großteil späteren theologischen Schrifttums ein, weil das heute auch keiner mehr versteht. Abgesehen davon soll es jedoch Menschen geben, die diese "Art von Glaubensverkündigung" erreicht.

Oder anders gesagt: Deinen Kommentar kannste echt auch knicken, Kollechin.

;-)