Montag, 9. März 2015

Tagessplitter

Derweil man sich auf DRadio Kultur heute auch der Frage widmete, ob an der aktuellen Medienschelte (Stichwort: Lügenpresse) etwas dran sein könnte und ob sie Substanz habe, mußte ich an die Anmoderation einer anderen Sendung auf DRadio Kultur denken, in der jüngst und rund zwei Tage, nachdem klar war, daß Dresdner Pegida-Demonstranten keinen "Angriff" auf ein Flüchtlings-Protestlager an der Semperoper gestartet hatten, frisch von der Leber weg die Behauptung eingeflochten wurde, Dresdner Pegida-Demonstranten hätten vor wenigen Tagen einen Angriff auf ein Flüchtlings-Protestlager an der Semperoper gestartet.
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Wohin die öffentlich-rechtliche Reise heute führen sollte, verriet mir mittenmang nicht zuletzt die folgende rhetorische Perle:
Überhaupt sind kleinere und größere Verfehlungen der Presse, wie sie angesichts der Vielzahl der Medien immer wieder vorkommen, ein gefundenes Fressen für Kritiker, Verschwörungstheoretiker und Skeptiker.
Solche Sätze muß man sich auf der Zunge zergehen lassen, denn für einen kurzen Moment blitzt unter dem Ornat selbstkritischer Inszenierung die Denkschablone des Verfassers auf: Werden die Fehlleistungen der Medien beschwichtigend wegentschuldigt, dürfen sich auf der Gegenseite "Kritiker" und "Skeptiker" mit "Verschwörungstheoretikern" (sprich: irgendwelchen Spinnern) in einen Topf geworfen und damit hinreichend diskreditiert sehen; sie alle eint zudem "ein gefundenes Fressen".
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Vielleicht aber ist dies "Fressen" ja nur in jenem Sinn gemeint, wie zum Beispiel die Themen "Benedikt" oder "Mißbrauch" oder "Protzbischof" ein ausdauernd gefundenes Fressen für jene waren, die sich davon (Achtung: Verschwörungstheorie!) bessere Quoten, höhere Auflagen, überlaufende Kommentarspalten und die Verbrüderung der Sender mit der Mehrheit der Empfänger in gemeinsamer Abscheu zur Front der Gutgesinnten mit wirtschaftlichem Mehrwert versprachen. Und wie sie gefressen haben! Ich meinesteils brauche keine Pegida-Spazierrunden, um Verständnis für das "Unwort des Jahres 2014" aufzubringen ...

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