Sonntag, 29. März 2015

Schöner backen: Damit das Osterlamm nicht wieder stur geradeaus glotzt

Nun ja ... für meinen gestrigen Eintrag zum Todestag von Odo Casel OSB habe ich im Kommentarbereich ein wenig Haue bezogen, weil sowas heute zur Glaubensverkündigung nichts tauge. Das lasse ich jetzt erst einmal so stehen, nachdem ich sowieso schon leicht angekrätzt darauf geantwortet hatte - aber wer auf dieser Seite Sankt Odo und dessen Mysterien schilt und schändet, und das ausgerechnet noch im Kontext des Todestags, wird mit Mißmütigkeit meinerseits nicht unter dreizehn Quadragenen bedacht.
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Nehmen wir aber die Schelte zum Anlass, um auf eine höchst wichtige Frage in Theologie und Verkündigung eine Antwort zu geben: Warum müssen gebackene Osterlämmer eigentlich allzeit geradeaus glotzen?
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Das müssen die nämlich keineswegs!
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So warf ich vorher einen Blick in die Edeka-Postille mit Angeboten für die Heilige Woche. Und siehe, ich sah eine Seite und ein lämmerndes Bild darauf und erinnerte mich, wie ich einst solch ein Osterleckerlamm hier abgebildet, welches zur Seite schaute; worauf in den Kommentaren intensiv gefragt, geforscht und gefahndet wurde, woher die Backform rühre, die ein Osterlamm nicht stur geradeaus schauen lasse, wie es offenbar überwiegend die Regel ist. Leider nun war besagtes Osterlamm fertig gekauft und ich hatte daselbst keinen blassen Schimmer, wo man entsprechende Formen auftreiben könnte; schlimmer noch: bis dahin hatte ich nicht einmal ein Problembewußtsein für Osterlamm-Formen unter besonderer Berücksichtigung der Blickrichtung des Lammes ... man neigt ja leichtfertiger Weise dazu, dem Lamm folgen zu wollen, wohin immer es geht, egal, wohin es dabei schaut (vgl. Offb 14, 4). Doch nun:
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Habemus formam! Hier: Art. Nr. 658940 bei der Backformenfabrik Kaiser: Backform Lamm "Lemmi" ("antihaftbeschichtet, besonders leicht entformbar, schwarz, mit Rezept"). Ein dreiviertel Liter Lamm passt rein und bei Edeka Südwest gibts das Teil gerade im Angebot! Wer sich von der ordnungsgemäßen Blickrichtung des Osterlamms überzeugen möchte, der schaue zuvorderst hier. Eigentlich kann man fast nie essen, was ich selber backe; nichtsdestotrotz werde ich mir morgen so ein Teil zulegen.
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  Lamm-Backform: Hier schaut das Lamm zur Seite 

Kommentare:

viasvitae hat gesagt…

Dafür hast Du unterhaltungstechnisch gerade eine Hoch-Zeit, was für ein Beitrag :D
Und was die Glaubensverkündigung von Odo Casel betrifft: in der heutigen Religionspädagogik lernt man in einer gängigen Katechese-Vorlesung, dass Katechese adressatenorientiert sein muss - es gibt also gar nicht d i e Katechese, unterschiedliche Menschen dürfen, gar sollen sich auch von unterschiedlichen katechetischen Stilen angesprochen fühlen ;-)

Andreas hat gesagt…

Vielen lieben Dank für die Ermunterung! Mir kitzelte es auch in den Fingern, mich selbst als Zielgruppe für Casel-Katechesen in Stellung zu bringen ... aber das fand ich dann doch irgendwie sehr selbstreferentiell ... ;-)

Tarquinius hat gesagt…

Ich hau mich wech, hier geht es ja rund! Das seiteschauende Lamm veranschaulicht auch übrigens sehr eindrücklich, wie die Taten des Lammes in ihren seinshaften Wirkungen real gegenwärtig sind. So kommen wir mit dem Erlösungswerke Christi noch enger in Kontakt, wenn es uns nämlich mit seinen zuckersüßen Zuckergussaugen anlämmelt. Und um so lieber macht man sich dann an den Genuss der (hier nicht so ganz) Raum und Zeit überschreitenden Substanz, unter dem symbolhaften Schleier von Teig und Butter ...

PS: Und ich bin derweil ganz froh, aus Pietäts- und menschlichen Respektsgründen etwas Casel-kritisches gestern nicht abgetippt zu haben ... *lammfromm*

Jürgen Niebecker hat gesagt…

In meiner Familie existiert seit Generationen eine Gußeiserne Backform, bei der das Lamm auch zur Seite schaut.
Leider ist der Teig von Osterlämmern relativ trocken, so daß das Lamm zwar hübsch aussieht, aber geschmacklich doch nicht mit einer Kirschtorte mithalten kann.

Andreas hat gesagt…

In der Tat: Die Verwandlung einer ungestalten Teigmasse im Durchgang (!) durch eine schwarze Form und unter Glut eines Feuerofens zum Osterlamm ist ein Sinnbild der Erlösung ...

Jetzt erschließt sich mir endlich auch der Sinn des Begriffs "Pascha-Lamm". Wenn das Odo Casel auch nur geahnt hätte ... da tun sich in der Mysterientheologie ganz neue Aspekte auf!

Andreas hat gesagt…

Jürgen, ich bin entsetzt: Nachdem sich hier immer neue Aspekte auftun, ist angesichts des Themas Kirschtorte ja der reinste Heidenkram ...

Tarquinius hat gesagt…

In der Tat, das Pascha-Lamm ist mehr, nämlich Sinnbild der Erlösung und kultisches Mysterium. Denn die stets rituell gleiche Liturgie des Backens lässt uns eng in Berührung kommen mit der Erlösungstat - und wie symbolhaft, dass sich das Lamm mildreich in unseren sündhaften Händen formen lässt und erneut ausgeliefert wird ... um nach der Feuerprüfung gleichsam verklärt wieder bei uns einzukehren. Auch wenn das Sinnenfällige sich hier und da ändern mag, das Mysterium Christi bleibt dabei stets das gleiche, wie in der stets gleichbleibenden Form angedeutet.

Jürgen Niebecker hat gesagt…

OK, da werfe ich doch gleich mal ein Figolla in die Diskussionsrunde…
-> http://kikreukreu.blogspot.de/2014/04/figolli.html

Andreas hat gesagt…

Jürgen, das Figolla-Rezept könnte auch für "Lemmi" taugen und scheint mir ebenso verlockend zu sein, wie meine Backtalente bescheiden sind ... da ich in der Mittagspause zwei Formen gekauft habe, werde ich es erst einmal mit dem Rezept auf der Packung (erweckt einen narrensicheren Eindruck) probieren - besteht vor allem im Verrühren diverser Zutaten und Abfüllen der Form, was ich hinbekommen könnte ... ;-)

Tarquinius, du entwickelst Dich ja fast schon zu einem Mysterientheologen - weiter so!

Geistbraus hat gesagt…

Tz tz tz. Ich lehne nichtgeradeausschauende Osterlämmer strikt ab. "Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes." - Christus ist schließlich auch nicht vom Kreuz gestiegen!

Eugenie Roth hat gesagt…

... wie war das noch mit deinem letzten "öffentlichen" Versuch, etwas essbares herzustellen? (Fleischküchle/Frikadellen?)
Schick die Form mit dem Rezept zu mir, ich schicke sie mit Inhalt (fertig gebackenes Lamm) zurück - nur ist der Postweg zu lang ... SCHADE, da wird der frischeste Teig trocken ... )-: (traurig schau)
Eugenie Roth

Andreas hat gesagt…

Dem Geistbraus sei erwidert, daß Gott nicht stur geradeaus, sondern nach dem Menschen schaut, der sich meist in irgendwelchen obskuren Seitengassen verlaufen hat.

Eugenie gilt mein Dank für das Ansinnen; aber keine Bange, ich bin guter Dinge, daß mir das Lamm gelingen wird. Das Rezept auf der Packung klingt irgendwie narrensicher.

Eugenie Roth hat gesagt…

... Ich habe nicht behauptet, dass du ein Narr bist ... (-;

Andreas hat gesagt…

Dies, Eugenie, hätte ich Dir auch nicht unterstellen wollen. :-)

Eugenie Roth hat gesagt…

Herr Bäckermeister, wie sieht es aus? Oder war das Backergebnis etwa so lecker, dass es schon verdaut ist?

Andreas hat gesagt…

Ich wollte eigentlich am Karsamstagmittag backen, bin dann aber statt dessen beichten gegangen, weswegen ich mich am Ostermontag dran machen werde ... ;-)

Eugenie Roth hat gesagt…

Das ist eine GUTE Alternative, das steht mir noch bevor ...