Montag, 9. März 2015

Domberge im Vergleich?

Ja, ich weiß: Wir können den neckische Text bald auswendig nachbeten:
... Es ist spät geworden an diesem Freitag in der Fastenzeit, vom Domberg aus sieht man die Lichter schwirren. Beim Essen im Speisesaal des Kardinal-Döpfner-Hauses wird Marx familiär. Den Rotwein trinkt er in langen Zügen, vom Kalbsbraten mit Rahmschwammerl nimmt er zweimal nach, beim zweiten Mal drei Krustenstücke. Er kaut, schimpft und lacht. Aber den Nachtisch lässt er stehen, und als alle denken, jetzt geht der Abend erst richtig los, da ist der Kardinal weg.
Stellen wir uns nun zur Abwechslung einfach vor, es würde sich nicht um einen aktuellen Text des Magazins Cicero über Karneval Marx handeln, sondern um irgendein älteres Portrait irgendeiner Postille vom üblich verdächtigen Medienstrich über einen anderen deutschen Bischof. Das wäre in jenem Fall womöglich dann so aus der Presse ge(f)logen:
... Es ist wie immer alles zu spät, auch an diesem Freitag in der Fastenzeit, vom finster-überschatteten Domberg aus sieht man die Lichter umso heller schwirren. Beim Bankett im Speisesaal des Diözesanen Zentrums gibt sich Tebartz familiär. Den Rotwein kippt er in vollen Zügen, vom teuren Kalbbraten mit erlesenen Pilzen an Edelrahm nimmt er mehrfach nach, zuletzt noch mehrere Krustenstücke. Er kaut, schlingt und schmatzt. Aber den Nachtisch lässt er anstehen, und als alle denken, er sei ihm nicht gut genug, da schaufelt der Bischof richtig los: da bleibt den Gästen die Spucke weg.

Kommentare:

Cinderella01 hat gesagt…

Na, das würde dem Schreiber dann aber niemand glauben ... Das Bild passt einfach nicht. Dazu ist der genannte Bischof einfach zu schlank und der geneigte Leser würde das Bild im Kopf nicht zusammenkriegen. Oder neidisch werden: Darüber, dass so ein Bischof auch noch essen kann, was er will und nicht zunimmt... was ja auch schon wieder eine himmelschreiende Ungerechtigkeit ist. ;-)

Tarquinius hat gesagt…

Allein das asketische Äußere des Kevelaers lässt die Vorstellung noch unmöglicher . . . oder: noch perverser erscheinen.

Geistbraus hat gesagt…

Nein, nein, das geht so:

Vom Domberg aus sieht man die Lichter schwirren, Tebartz selbst soll die Anweisung gegeben haben, die Leuchter mit teurem Rinotti-Öl aus dem 18. Jahrhundert zu befüllen. Beim Essen im Speisesaal sitzt der Bischof separat. Während seine Gäste billigen Chianti in langen Zügen trinken, ordert Tebartz aus dem Weinkeller einen 78er Merlot - Kostenpunkt: 200 Euro pro Flasche. Den Kalbsbraten mit Rahmschwammerl rührt er nicht an. Er bestellt Austern. Alles kaut, schimpft und lacht, der Bischof aber spricht kein Wort. Den Nachtisch, ein zartes Schokoladensoufflé, stößt er angeekelt von sich. Dann ist er weg. Der Abend kann losgehen.

Andreas hat gesagt…

Wir wollen's ja mal nicht übertreiben - auch die Medien möchten stets glaubhaft wirken, wobei die Diskrepanz im Körperumfang eine in Kauf zu nehmende Unstimmigkeit wäre ... ;-)