Samstag, 21. März 2015

Das Ohr des Herzens neigen

 St. Benedikt - ehem, Klosterkiche St. Marien zu Gengenbach 
Wer sich einer Regel unterwirft, gibt ein Stück Selbstbestimmung ab. Das klingt zunächst wie eine Binsenweisheit - wo immer wir aber uns "Regeln" (gleich, welcher Art) unterwerfen, stellen wir rasch fest, wie schwer man sich zuweilen damit tut. Die Herausforderung wächst zudem, sobald es sich um eine Ordensregel handelt, denn in ihr wird weit mehr vorgegeben als ein Minimum gemeinschaftlicher Verpflichtungen bei weitestgehender Wahrung von Eigeninteressen. Letztlich ist auch der Glaube, nimmt man dessen Anspruch ernst, eine Art vorlaufender Ordens- im Sinne von umfassender Lebensregel: der Christ steht noch im Gefüge, aber nicht mehr in der Ordnung dieser Welt, sondern unter dem Ruf und der Verfügung Gottes in der Gemeinschaft der Ekklesia.
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Da wir keineswegs die perfekten Christen sind, geraten wir immer wieder in Konflikte und Anfechtungen: einer eher als virtuell empfundenen Verheißung steht die handfeste Realität der Welt gegenüber: gewiß auch nicht perfekt, aber einfacher zu haben. Der heilige Benedikt wußte davon und gab seinen Mönchen gleich zu Beginn seiner Regel ein Wort mit auf den Weg, das auch uns im Glaubensleben und im Ringen um den Glauben helfen kann. Da heißt es im ersten Satz:
Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat!
Allem Tun geht das Hören voran und der bereite Wille, den Zuspruch anzunehmen: Indem wir das Ohr des Herzens neigen! Denn - und das meint, denke ich, hier der Begriff "Herz" - in der Tiefe unserer Existenz, in deren Fundament kann der Ruf Gottes Widerhall finden, sofern wir diesen Ruf nicht übertäuben, um vor ihm davonlaufen zu können. Die tiefste Sehnsucht des Menschen: Lieben zu können und geliebt zu werden - dort hat sie ihren Ort, und an diesem Ort gibt es nur eine Antwort, die gültig ist: Gottes Verheißung. Alles andere, weitere ergibt entweder überhaupt keinen Sinn - oder aber es ergibt sich daraus, das Leben des Christen inbegriffen, ob außerhalb oder innerhalb einer klösterlichen Gemeinschaft: De profundis clamo ad te, Domine!
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Heute an seinem Fest helfe uns der hl. Benedikt durch seine Fürsprache, daß wir nicht nur hören, sondern auch unseres Herzens Ohr dem Ruf Gottes neigen können ... ora pro nobis!
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Bild: Schrein des Benedikt-Altars in der ehemaligen Klosterkirche St. Maria zu Gengenbach in Baden.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Danke, sehr schön!

einfachentfachend hat gesagt…

Also ertönt der clamor meus aufs Neue:

Recht hast du,o Tarquinius! Wie schon neulich und auch öfter, so auch jetzt und schaumermal!

Severus hat gesagt…

Was für wunderbare Kunstschätze unser Badnerland doch birgt! Und danke für den Begleittext!

Tarquinius hat gesagt…

Einen Rechtgeber kann ich auch jetzt und immer öfter gebrauchen. Denn ich kann mir nicht helfen und habe einfach immer Recht!

Welche Bemerkung ich noch vergaß abzuschicken: zum Benediktsfest erwartete ich hier auch etwas besonders Feines, weswegen ich es frohgemuts wagen konnte, mich selbst eines Benediktbeitrags zu enthalten.

Andreas hat gesagt…

Ich sage dazu jetzt nix und statte allsamt Dank ab, ehe mich der Honig ersäuft und der Wabenseim überläuft ...