Mittwoch, 11. Februar 2015

Wo die Vorzeichen der Erlösung aufscheinen, dort schauen wir Maria

 Das Opfer des Noah - Münster Saint Thiébaut zu Thann im Elsass 
Eine schöne Fügung führt am heutigen Tag das Fest der Erscheinung Unserer Lieben Frau zu Lourdes mit Lesungen aus dem Buch Genesis zusammen, die vom Opfer Noës nach der verheerenden Flut und dem Bund berichten, den Gott daraufhin mit den Menschen schließt - diese Erzählungen finden wir heute und morgen in den Metten des Breviarium Romanum, mithin unter anderem die folgenden Sätze:
Und Noë baute dem Herrn einen Altar und nahm von allen reinen Tieren und reinen Vögeln einige und brachte auf dem Altare Brandopfer dar. Da roch der Herr den süßen Duft. Und der Herr sprach bei sich: Nicht will ich hinfort dem Boden mehr fluchen um des Menschen willen (Gen 8, 20 f.).
Und Gott sprach zu Noë und zu seinen Söhnen bei ihm also: Ich schließe meinen Bund mit euch und euren Nachkommen und mit allen Lebewesen bei euch an Vögeln, Vieh und allen anderen Tieren auf Erden bei euch, von allen, die aus der Arche gingen, von all den Tieren auf Erden. Ja, meinen Bund errichte ich mit euch; kein Geschöpf werde mehr durch der Flut Gewässer vernichtet und nie wieder komme eine Flut, die Erde zu verheeren. Und Gott sprach: Dies sei das Zeichen des Bundes, den ich schließe zwischen mir und euch und allen Lebewesen bei euch für ewige Zeiten! Ich stelle meinen Bogen in die Wolken. Er sei das Bundeszeichen zwischen mir und dieser Erde! (Gen 9, 8-13).
Ein Relief an einem Unserer Lieben Frau zugewidmeten Altar im Münster zu Thann zeigt dieses Szenario: Noë am Altar des Brandopfers stehend, im Hintergrund die Arche, über beidem spannt sich ein Regenbogen als Bundeszeichen. Aus dem Rauchwerk des Opfers erscheint in diesem Bild jedoch noch eine weitere Gestalt: jener - aus reinen Opfergaben der Natur - abgewonnene süße "Duft", den der Herr riecht, hat gleichsam einen Namen und Gestalt: Maria - sie, unbefleckt empfangen, frei von dem Makel der Ursünde, steht am Anfang einer neuen Schöpfung. Als "angenehmer Weihrauch bei der Fürbitte" und "Gottes Wohlgefallen an den Sterblichen" preist sie der orientalische Hymnos Akathistos.
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"Gottes Wohlgefallen an den Sterblichen": Wie anders - und beinahe sinnerfüllter - liest sich der bereits zitierte Satz aus der Genesis, bezöge man in einem geistlichen Verständnis den Vers "um des Menschen willen" nicht auf das sündige Geschlecht, dem auch Noë zugehört, sondern auf Maria: "Nicht will ich hinfort dem Boden mehr fluchen um des Menschen willen" - um dieser Jungfrau willen, die im Heilsplan den Weg Gottes zur Erlösung aus der Sünde bereiten wird.
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Der Regenbogen nun, unter dem Unsere Liebe Frau erscheint, gewinnt ab dem Mittelalter auch als Symbol für Maria Bedeutung. Sein schier aus der Erde sich aufschwingender Bogen in den Himmel wird als Zeichen der Mittlerschaft Mariens gedeutet, die frohen Farben aber bedeuten die Tugenden der Gottesmutter: Im Regenbogen ist sie das Zeichen des Bundes, den Gott mit den Menschen schließt.
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So ist Maria die "Arche des Bundes", die fœderis arca - der Begriff begegnet uns zumeist in der Lauretanischen Litanei und erinnert vor allem an die Bundeslade im Allerheiligsten des Tempels. Aber bereits die Noë-Erzählung wird uns auf Maria hin transparent, wie bereits zuvor der Urgrund all dieser Deutungen, das Protoevangelium Gen 3, 15. Wo die Vorzeichen der Erlösung aufscheinen, dort schauen wir auch Maria!
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Die Wasser aber, die ehedem die Erde verheerten, entspringen heute einer Quelle, welche die hl. Bernadette einst aus eben dieser Erde grub auf Weisung jener Dame, die sich der Seherin von Lourdes als die Unbefleckt Empfangene zu erkennen gab. Nicht mehr Verderben und Tod bringen sie über die Schöpfung, sondern Segen und Heil für Leib und Seele - dieser Gedanke klingt auch in einer Strophe aus dem Hymnus zu den Laudes des heutigen Festes an:
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Torrens nefastis fluctibus
Cunctos trahens voragine,
Leni residit æquore
Cum transit Arca fœderis.
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Als alle des Verderbens Flut
In ihren Wogen jäh verschlang,
Blieb sanft sie stehn, als sie bemerkt,
O Bundeslade, deinen Gang.

Nun also ... gehe zu der Quelle und wasche dich darin!
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Bilder: Das Opfer des Noë - Relief an einem Marienaltar im Münster Saint Thiébaut zu Thann im Elsass (oben) - Lourdesgrotte im Fridolinsmünster zu Bad Säckingen (unten). Die deutsche Übersetzung der Hymnenstrophe ist entnommen aus: Das kirchliche Stundengebet. Übersetzt und erklärt von Erzpriester Stephan. Band 1. München 1926.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Mal wieder sehr schön gesagt und wunderbar gefügt ... dankeschön! Irgendwie erinnert mich das frigescente saeculo, von dem lectio vi spricht, an die Zeit der Flut. Gottlob ist in Zeiten der Drangsal der Segen um so größer, und statt Flut können wir uns an den Wassern der Gnade laben, wenn wir denn nur wollen. Deo gratias!

martina hat gesagt…

Sehr schön!