Sonntag, 22. Februar 2015

Vom rauhen Wort

Eine kleine Variation zu den gestern eingestellten Gedanken über Psalm 63 kam mir heute auf der Fahrt nach Basel unter die Augen, als ich einige Erläuterungen des hl. Augustinus zu Psalm 90 las (die Eigentexte der Meßgesänge sind heute ja ausschließlich diesem Psalm entnommen). Der dritte Vers läßt den Gerechten in der Lesart der Vulgata bekennen:
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Quoniam ipse liberavit me de laqueo venantium *
et a verbo aspero.
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Denn er hat mich befreit aus der Schlinge der Jäger *
und von dem rauhen Wort.
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Die Rede vom "rauhen Wort" wendet Augustinus auf  Vorwürfe, Wider-, Spott- und Scheltreden an - seien diese nun gesprochen oder zu Papier gebracht -, die jenen Christen, die authentisch aus dem Glauben leben möchten, zu Ohren kommen können. Zudem unterscheidet er auf der Gegenseite zwei Gruppen: die Heiden einerseits, aber auch eigene Glaubensgenossen, auf die zuweilen der Satz zutreffen könnte, daß einer, der solche Freunde habe, aber echt keine Feinde mehr brauche ...
Viele schickte der Teufel durch das "rauhe Wort" in die Falle, zum Beispiel solche, die unter Heiden Christen sein wollten; sie leiden die Beschimpfungen der Heiden, sie erröten unter den Beschimpfern, und vor dem "rauhen Worte" weichen sie vom Weg ab, fallen sie in die Schlingen der Jäger ...
... Ebenso unter den Christen; die eifriger und besser sein wollen, werden von den Christen selbst Beschimpfungen hören. Und was nützte es, Bruder, wenn du einmal eine Stadt findest, wo kein Heide ist?
Das Augustinus-Zitat ist entnommen: Aurelius Augustinus: Über die Psalmen. Ausgewählt und übertragen von Hans Urs von Balthasar. Einsiedeln (2) 1983. S. 188.

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