Sonntag, 8. Februar 2015

Trinke Christus!

Ein Nachklang zum Evangelium des Sonntags Sexagesima, das uns wieder das Gleichnis vom Sämann (Lk 8, 4-15) hören ließ:
... Auch der göttliche Same baut sich aus sich selbst auf. Der Mensch kann ihn nicht zur Frucht entfalten. Aber der Same muß den 'Grund' des menschlichen Herzens "saftig und klebrig" (Klemens von Alexandrien Paid, I 48, 2) und mit verwandten Nährstoffen gesättigt finden. Er muß sich mit Göttlichem verbinden können, um sich in die sprossende Saat und die reifende Frucht zu verwandeln. Das will bedeuten: Das göttliche Leben, das die Getauften in sich tragen, erstarkt und vollendet sich, wenn sie neues göttlichen Leben in sich aufnehmen. Der innere Mensch wächst, wenn Christus selbst ihn mit göttlicher Speise nährt und mit göttlichem Tranke tränkt. Was aber ist diese göttliche Nahrung anders als sein Fleisch und Blut! (...)
Wir essen sein Fleisch und trinken sein Blut jedoch nicht nur im heiligen Opfermahle. "Brot Christi und sein Fleisch ist das göttliche Wort und die himmlische Lehre", sagt der heilige Hieronymus (Anecd. Maredsol, III 2, 290 f,), der vor jedem Wort der Schrift Ehrfurcht hatte wie vor dem Leibe des Herrn. Und Ambrosius mahnt (In Ps 1, 33): "Trinke den Kelch des Alten und des Neuen Testamentes; denn in beiden trinkst du Christus ... Trinke Christus, damit du das Blut trinkst, durch das du losgekauft bist ... Trinke seine Worte. Sein Wort ist das Alte Testament, sein Wort ist das Neue Testament".
Aus den Mysterien und den Gebeten der heiligen Kirche quillt den Getauften täglich neues Christusleben zu, und so wachsen sie durch Christus immer mehr in Christus hinein, bis die Ähre sich neigt und den sommerlichen Schnitt erwartet.
Theophora Schneider OSB: Same und Frucht. Entnommen aus: Vom Heiligen Pascha. Ein Osterbuch. Herausgegeben von der Abtei vom Heiligen Kreuz Herstelle. Paderborn 0.J. [nach 1950]. S. 267.

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