Samstag, 28. Februar 2015

Tagessplitter

In der Regel rate ich dazu, bestimmte Seiten, Portale und blogs im Netz einfach zu meiden und deren Lektüre zu unterlassen, wenn danach die Gemütsruhe dahin ist. Nun ist das Erteilen guter (oder gut gemeinter) Ratschläge eine Sache, sich selbst daran zu halten eine andere. 
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Natürlich lese ich auch Seiten, Portale und blogs, die mir gemütsfüllig überhaupt nicht bekommen. Danach sehe ich nämlich nicht selten finstere Wolken (womöglich Ausläufer von jenem "Rauch Satans", den bereits der sel. Paul VI. thematisierte?) durch die Ekklesia wabern. Was nun tun? Alles ignorieren (und eben am besten garnicht erst zur Kenntnis nehmen) und den Kopf in den Sand stecken? Sich ins stille Kämmerlein verziehen und ein bißchen beten? Darauf vertrauen, daß der Kyrios seine Braut vor dem Ärgsten bewahren wird? 
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Gottvertrauen ist nie falsch, Gebet ohnehin nicht. Aber rechnen gewisse progressive Kräfte nicht seit Jahrzehnten darauf, ihre agenda nach und nach durchsetzen zu können, weil die Gegenseite über Vertrauen und Beten hinaus entweder keinen Widerstand organisiert oder ihn viel zu spät und viel zu wenig vernetzt auf die Beine stellt? Und: Erwartet Gott im Blick auf den öffentlichen Bereich (Stichworte: Sendung, Auftrag, Gehet hin ...) nicht doch etwas mehr von uns als nur Gebet und Vertrauen bei ansonsten fortwährender Passivität? Hat er nicht Talente verteilt und Gaben, damit wir diese nutzen und brauchen zum Einsatz für das Reich Gottes, das in der Ekklesia emporsteigen möchte?
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Konkret gefragt: Sollte man es dem fetten Kardinal und diesem dummen Bischof mit seiner frisch entdeckten "Offenbarungsquelle" wirklich so einfach machen? "Auch die Realität von Menschen und der Welt ist eine Quelle der Offenbarung" - als ich das dieser Tage gelesen habe, stand mir die Galle kurz vor dem Überlaufen. Wäre dem so, dann hätte entweder Karl Marx recht, wenn er Religion als das "Opium des Volkes" bezeichnet, oder in einigen Jahren mauserten sich Abtreibung und Sterbehilfe zu Bestandteilen der Offenbarung ...
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Herr im Himmel, was haben wir eigentlich verbrochen, daß sich solche Dumpfb***** auf Bischofssitzen den A**** plät*** ... nun ja ... sorry, Kyrie eléison ... aber das mußte jetzt mal raus; eingangs betonte ich schließlich, daß blogs eben auch eine Plattform sind, um individuelle Befindlichkeiten ausbreiten. Und mir ist, man sehe es nach, gerade nach bodelosen Zähneknirschen. Wem die Lektüre nun die Gemütsruhe raubt, der braucht ja nicht ... ja eben, siehe oben ...

Kommentare:

Theodor hat gesagt…

Lieber Andreas, vielen Dank für diesen Beitrag! Sie glauben nicht, wie gut es tut, dass jemand ähnliche Empfindungen hat. Man kann dann ja lang und breit darüber diskutieren, ob es richtig, klug oder gar christlich ist, solche Empfindungen allzu klar zu verbalisieren.

Einsam wird es, wenn man den Eindruck gewinnt, das "da draußen" gar niemand mehr merkt, was für einen Unfug diese Herren Redekunst wo es hinführt, wenn man es mit etwas Logik weiterdenkt.

Ihnen eine gesegnete Fastenzeit!
Theodor

Bellfrell hat gesagt…

Du hast ja SOWAS von Recht und das hat es jetzt auch echt gebraucht!
Und trotzdem - einen schönen, gesegneten Sonntag!

Gallus hat gesagt…

Danke! Es ist mir unbegreiflich, wie man in unserer Kirche Bischof oder gar Kardinal werden kann, mit einer Verkündigung des Evangeliums in einer Art, für die sich jeder Dorfpfarrer schämen müsste.

Ester hat gesagt…

Ich sei, gewährt mir die Bitte in eurem Bunde die vierte, oder so ähnlich.

Brettenbacher hat gesagt…

Aber vielleicht hat der Herr Bischof es im Sinne des - schon fast verstummten - Hölderlin gemeint:
DAS GLÄNZEN DER NATUR IST HÖHERES ERSCHEINEN

(freilich klingt es ganz und gar nicht so....)

Andreas hat gesagt…

Vielen lieben Dank für die Rückmeldungen!

Nun glaube ich nicht, der Bischof habe an Hölderlin gedacht ... der ein großer Dichter gewesen, aber darob nicht zwingend zum Kronzeugen gesunder katholischer Theologie taugt (ausgerechnet Hölderlin!).

Zumindest aber reicht er auf der Ebene der Sprache über meinen vermaulten Eintrag weit hinaus ... ;-)

Brettenbacher hat gesagt…

und "Naturbigotterie", um einen treffenden und leider überaus aktuellen Ausdruck des Franz von Baader zu benutzen, ist es auf jeden Fall nicht !

Andreas hat gesagt…

Wobei ... wenn ich mir das so bedenke: Wer mit Hölderlin-Zitaten um die Ecke kommt, die man nicht an jeder Ecke liest (also im Gegensatz zu "wo Gefahr droht, wächst" etc etc), der sollte vielleicht einen kleinen katholischen Blog ins Leben rufen ... ;-)

Tarquinius hat gesagt…

Willst Du mir Kamarilla-Katholen nun auch noch mein liebes Zimmerlein madig machen, in dem ich es mir so schön bequem gemacht habe?!?